Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 96
Hilfloser Reigen
Von Gerhard Mack
ZÜRICH: EUROPOP
Das Kunsthaus Zürich zeigt Pop Art als europäisches Phänomen. Die Idee ist bestechend: Die Pop Art als Aufbruch einer ganzen Generation - nicht die Vorherrschaft der USA soll interessieren, sondern die Euphorie, mit der Künstler in Europa von der neuen Bildsprache der Werbung und der Massenmedien Besitz ergriffen. Doch was das Kunsthaus Zürich aus dieser Idee macht, wirkt verzagt:
Im großen Entree zur Ausstellung "Europop" sitzt eine Suppendose Warhols wie ein Altarbild in der Mitte, um das herum sich der Reigen europäischer Positionen hilflos um Präsenz bemüht.
Das setzt sich in der Ausstellung fort.
Aber was sind letzten Endes die liebevollen Ausmalungen zum Liebesleid von Pauline Boty gegenüber dem Kitschkuss eines Roy Lichtenstein? Die Europäer wollen anderes, sie setzen auf Details, geben Kontexte und schätzen die Collage.
Wichtiger als ein harter Faustschlag ist ihnen tänzerische Vielfalt. Zumindest diese wird in der sehr eng gehängten Ausstellung deutlich.
Termin: bis 12. Mai. Katalog: DuMont Verlag, Deutsch/Englisch, 65 Franken, im Buchhandel 39,90 Euro. Internet: www.kunsthaus.ch
Gerhard Richters "Schwimmerinnen" (1965)
