Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 85

Das Schweigen gehört zum Konzept

Von Adrienne Braun

Eine Ausstellung der gebürtigen Iranerin in der Staatlichen Kunsthalle BADEN-BADEN: NAIRY BAGHRAMIAN

Es geht um Gehhilfen. Nairy Baghramian hat sie den Räumen verpasst oder besser: den Zwischenräumen. Als die Künstlerin für ihre Ausstellung die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden in Augenschein nahm, fühlte sie sich an einen Parcours erinnert, an "herrschaftliche Räume, durch die man flaniert". Hier reiht sich ein Kabinett an das nächste, verbunden sind die Räume durch Türrahmen.

Eben diese Rahmen haben Baghramian interessiert, sie hat aus Gehhilfen Skulpturen abgeleitet, die sie in den Durchgängen platzieren will - "das sieht so aus, als würden sie sich festhalten". Die in Berlin lebende Künstlerin ist im vergangenen Jahr bekannt geworden durch ihren Beitrag bei "Skulptur Projekte Münster", wo sie auf einen stark belebten Parkplatz eine Art Paravent stellte, einen Metallrahmen mit Stoff bespannte und mit Spiegelglas versah, um das Davor und Dahinter zu fokussieren. Sie versteht sich als Konzeptkünstlerin und Bildhauerin gleichermaßen, ihr Thema ist das Sehen und Verbergen, wobei der Betrachter eine wichtige Rolle in ihren Inszenierungen und Installationen spielt.

So wird sie in der Kunsthalle Baden- Baden neben ihren Skulpturen aus Gummi, Kunstharz und ihren Fotografien von Kaminschloten auch poliertes Aluminium verwenden, in dem der Betrachter sich, andere Besucher und den Raum gespiegelt sieht. Allerdings werden diese Spiegel nur hüfthoch sein, weil Baghramian den Blick auf die Beine lenken will, auf die Schritte, den eigenen Gang durch das Museum.

Raum, Installation und Betrachter stehen in Zusammenhang, sagt sie, "es gibt keine Hierarchie". Für den begleitenden Katalog, der Teil des Ausstellungskonzepts ist, wird Baghramian die Skulpturen fotografieren - aber in einer anderen Umgebung, weil sie untersuchen will, was mit den Arbeiten passiert, wenn sie aus dem Ort entfernt werden, für den sie konzipiert wurden. Über sich selbst spricht die Künstlerin, die im Jahr 2007 den mit 10 000 Euro dotierten Förderpreis Bildende Kunst der Schering-Stiftung bekam, nicht gern. Sie ist 1971 in Isfahan im Iran geboren und zog als 14-Jährige mit ihrer Familie nach Berlin. Über ihr Studium und die Professoren will sie nichts preisgeben, wobei das Verschweigen zu ihrer künstlerischen Haltung gehört. Baghramian stört es, wenn Künstler sich hinter dem Namen ihres Lehrmeisters verschanzen, wenn sie glauben, allein durch Namedropping einen "Mehrwert" zu erlangen. "Diese Sicherheit möchte ich nicht", sagt sie. Mehr interessiere sie das Labile, das Unsichere - "fast auf der Kippe sein und doch Haltung haben".

Termin: 16. Mai bis 6. Juli. Katalog: zirka 19 Euro.

Internet: www.kunsthalle-baden-baden.de

Baghramians Beitrag "Entr'acte" zur "Skulptur Projekte Münster 07"

"Teestube", (2005) in der Galerie Christian Nagel, Köln