Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 128

Perspektivwechsel

Von

Westen und Orient: Hans Beltings Kulturvergleich

Dass ihre Landsleute einst die Zentralperspektive erfunden haben, steht für die Florentiner heute noch fest. Doch so einfach war es nicht, wie dieses faszinierende Buch zeigt: Schon der arabische Mathematiker Alhazen (965 bis 1040) hatte den Verlauf von Lichtstrahlen berechnet und eine Camera obscura konstruiert. Nur ging es ihm dabei um Gesetze des Sehens, nicht der Abbildung, die ihm als Mitglied einer bilderlosen Gesellschaft fremd sein musste. Wie Künstler und Forscher der Renaissance Alhazens Sehtheorie zur Bildtheorie umkrempelten und die Perspektive zum Markenzeichen des Westens machten, beschreibt Hans Belting in seiner wendungsreichen Studie ebenso schlüssig wie die Bedeutung der Geometrie für Weltbild und Kunst des Islam. Dieses Buch öffnet dem Leser die Augen - auch für Bedingtheit und Schwächen unserer eigenen, durch Film und Fotografie allgegenwärtigen Bilder. B. H.

Hans Belting: Florenz und Bagdad.

Eine westöstliche Geschichte des Blicks. Verlag C. H. Beck. 320 S., 109 Abb., 29,90 Euro

Bildseite aus einer Handschrift von Nizami, Persien (1410/11)