Ausgabe: 05 / 2008
Seite: 127

Die Händchen der Reichen halten

Von Claudia Bodin

Museen: Kandidatenkarussel für New Yorker Direktorenstellen

Die Chefposten an drei wichtigen Kunstinstitutionen in New York werden neu besetzt: Philippe de Montebello vom Metropolitan Museum geht nach 30 Jahren in Ruhestand, das Guggenheim sucht nach dem Rückzug von Thomas Krens einen neuen Direktor, und die 1974 gegründete Dia Art Foundation ist wieder führungslos. art-Korrespondentin sprach mit dem New Yorker Kunstkritiker Charlie Finch über mögliche Kandidaten. art: Muss ein Museumsdirektor besondere Qualifikationen mitbringen, um in New York bestehen zu können?

Finch: Das Problem in New York ist, dass die wohlhabenden Kunstförderer politisch zwar meist liberal sind, sich aber im Zusammenspiel mit den Muse - en sehr autokratisch verhalten.

Glenn Lowry wurde gerade für weitere fünf Jahre als Direktor des Museum of Modern Art bestätigt, weil unter seiner Leitung die Züge pünktlich abfahren. Er ist gut darin, Anordnungen entgegen zu nehmen und diese an Leute unter ihm zu verteilen.

Jeffrey Weiss, der Direktor der Kunststiftung Dia, gab nach nur neun Monaten seinen Posten auf, weil er überwiegend mit administrativen Dingen zu tun hatte und kaum noch mit Kunst. In den USA verbringt ein Direktor viel Zeit damit, den Reichen Händchen zu halten. Denn sie sind wie Kinder, die ständig hören wollen, dass sie mehr wert sind als ihr vieles Geld.

Hat es Sie eigentlich gefreut, dass der viel kritisierte Thomas Krens seinen Posten im Guggenheim Museum räumen musste?

Krens ist doch derjenige, der mit seiner Politik der Expansion und dem Fokus auf Konsum und Spektakel das Musterbeispiel für die Kunstwelt setzte, in der wir heute leben.

Die große Frage wird aber sein, ob es jemanden gibt, der den Mut besitzt, einen anderen Weg einzuschlagen.

Haben Sie Wunschkandidaten?

Leute wie der gestorbene MoMAKurator Kirk Varnedoe. Er war kontrovers, akademisch orientiert und mit Künstlern wie Gerhard Richter und Jasper Johns befreundet. Sehen wir jemanden wie ihn am Horizont? Leider nicht. Michael Govan, Direktor des Los Angeles County Museum, wäre die konsequente Wahl für das Guggenheim. Er ist einer von Krens' Schülern und hat viel Sexappeal.

Am Metropolitan bemüht sich der Kurator des Hauses, Gary Tinterow, um den Job. Aber es ist das Gerücht aufgetaucht, dass New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg den Posten übernehmen wird. Er engagiert sich für öffentliche Kunstprojekte wie Olafur Eliassons Wasserfälle (siehe Interview Seite 16). Er wäre dann so etwas wie der Vorstandsvorsitzende des Metropolitan. Das würde gut in das neue Modell von New Yorks Museen passen.

Ein Name, der bei der Debatte um den Guggenheim-Posten auftauchte, ist der einstige Leiter der Art Basel, Samuel Keller.

Weil Keller ein internationaler Kunststar ist, würde er sich all den Gönnern des Museums weniger verpflichtet fühlen. Sie bräuchten ihn mehr als er sie. Er wäre eine faszinierende Wahl.

US-Kunstkritiker Charlie Finch