Ausgabe: 04 / 2008

Botschaft mit Blumen und toten Tieren

95 Meisterwerke niederländischer und deutscher Malerei im Städel-Museum FRANKFURT: STILLLEBENMALEREI 1500-1800

Als Pieter Aertsen 1559 sein "Marktstück mit Christus und der Ehebrecherin" malte, stattete er die Szene mit Körben voller Lebensmittel aus. Auf die Idee, ein Bild zu malen, das sich alleine auf Obst und Gemüse beschränkt, wäre der niederländische Maler jedoch niemals gekommen.

Als eigene Gattung kennt man das Stillleben erst seit dem Barock. Dennoch haben Aertsens Marktbilder die flämische Stilllebenmalerei maßgeblich beeinflusst, weshalb das Werk nun im Städel- Museum zwischen Blumenstillleben und Mahlzeitenbildern hängt. Die Ausstellung, die eigene Bestände mit Werken aus dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt und dem Kunstmuseums Basel vereint, präsentiert einen Überblick über die Entwicklung der niederländischen und deutschen Still lebenmalerei vom späten 15. bis ins späte 18. Jahrhundert. Vor allem in Holland und Flandern hatte sich das kunstvolle Arrangement von Gegenständen in verschiedenen Variationen wie Jagd-, Fisch-, Vanitas- oder Prunkstillleben herausgebildet. Hierbei ging es keinesfalls nur um perfekte Naturnachbildung.

Vielmehr wurden die Gegenstände als Bedeutungsträger eingesetzt. Zahlreich waren etwa die Vergänglichkeits symbole auf Vanitasstill leben wie sie etwa Harmen Steenwijk malte. Sie reichten vom Totenkopf über Kerzen, Bücher und Partituren bis hin zu Insignien weltlicher Macht wie Zepter und Krone, die im An gesicht des Todes jeglichen Wert verlieren.

Die prachtvoll aufgetürmte Beute auf Jagdstillleben wiederum diente dem Repräsentationsbedürfnis der herrschenden Klasse: Nur ihnen war das Jagen per Gesetz erlaubt. Mit Jan Davidsz. de Heem, der ein Meister in der Darstellung von Gold, Silber, Zinn, Glas und Porzellan sowie den darauf befindlichen Spiegelungen und Reflexen war, erreichte die niederländische Stilllebenkunst um 1650 ihren Höhepunkt. SANDRA DANICKE Termine: 20. März bis 17. August. Weitere Station:

5. September bis 4. Januar 2009, Kunstmuseum Basel.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 34,90 Euro, im Buchhandel 49,80 Euro. Internet: www.staedelmuseum.de

Jan Weenix:

"Toter Hase und Vögel" (1687,123 x 111 cm)

SANDRA DANICKE

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