Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 93
Gelächter aus dem Lautsprecher
Von Hans Pietsch
LONDON: LAUGHING IN A FOREIGN LANGUAGE
Die Hayward Gallery sucht in der Kunst nach Humor - aber lachen mag hier niemand. Wird die gegenwärtige Kunst wirklich immer witziger, wie Hayward- Direktor Ralph Rugoff im Katalog behauptet? Nicht, wenn man durch seine Ausstellung geht: Wenn hier Lachen zu hören ist, kommt es allenfalls aus Lautsprechern.
Etwa in dem Video "Journey to the Lower World" von Marcus Coates, der als Elch verkleidet vor Bürgern aus Liverpool ein schamanisches Ritual vollführt, sehr zum Vergnügen seiner Zuschauer.
In der Hayward Gallery hingegen: eisiges Schweigen der Besucher.
Natürlich muss eine Ausstellung über den Humor in der Kunst nicht unbedingt witzig sein. Sie kann von kulturellen Missverständnissen, Entfremdung, Sprachschwierigkeiten handeln, Insider betrachten Outsider und umgekehrt.
Das alles könnte Humor erzeugen.
Doch wo sind Maurizio Cattelan, Elmgreen & Dragset, Erwin Wurm oder Sarah Lucas? Statt dessen wird ein lahmes Video gezeigt, in dem Julian Rosefeldt als Clown durch einen Regenwald stolpert und immer wieder an den Ausgangspunkt zurückkehrt.
Auch der Besucher selbst soll zum Witz werden. Vergeblich versucht er, mit Hilfe der von Martin Walde auf dem Bo den verstreuten Schlüssel eine Tür aufzuschließen, hinter der eine Katze jämmerlich miaut. Dann kniet er vor Taiyo Kimuras Installation und wühlt in einem Korb voller schmutziger Wäsche, bis ein winziger Bildschirm zum Vorschein kommt, auf dem der Künstler Bizarres vorführt. Vielleicht kommt der Humor des Japaners besser an, weil er nach eigener Aussage damit nicht viel anfangen kann? So ist Roi Vaaras Dilemma auch das des Besuchers. Auf dem Eis der finnischen Ostsee steht ein Wegweiser:
Links geht es zur Kunst, rechts zum Leben, und er kann sich nicht entscheiden, in welche Richtung er gehen soll.
Am Ende freut man sich über eine Wandkritzelei des Bulgaren Nedko Solakov, der seine Karriere als sozialistischrealistischer Wand maler begann. Am 23. Januar 2008, einen Tag vor der Eröffnung der Schau, schrieb er um 11.25 Uhr mit einem Filzstift auf die Wand:
"Jetzt höre ich auf." Termin: bis 13. April. Katalog: 17,99 Pfund.
Internet: www.haywardgallery.org.uk
Taiyo Kimura verpackt seine Pointe in schmutziger Wäsche: "Typical Japanese-English" (2005)
