Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 119

"Ein besonders emotionales Projekt!"

Von Kerstin Schweighfer

Wiederaufbau: Gespräch mit Architekt Pi de Bruijn

Der Amsterdamer Architekt Pi de Bruijn hat den Wiederaufbau des Enscheder Stadtviertels Roombeek geleitet. Über diese Mammutaufgabe sprach art-Korrespondentin Kerstin Schweighöfer mit ihm. art: Sie haben dieses Projekt mit einer Organtransplantation verglichen. Wieso?

De Bruijn: Die Katastrophe hat ein Loch in die Stadt gerissen, das wollte ich nicht einfach mit einem isolierten modernistischen Viertel auffüllen, sondern organisch, so dass es wieder an die alten Straßen anschließt. Der Begriff ist vielleicht etwas dramatisch gewählt, aber es war auch ein sehr emotionales Projekt:

Wir wurden mit den Emotionen der Betroffenen konfrontiert.

Als Architekt mussten Sie auch ganz schön viel schlucken.

Ich habe zwar viel Überzeugungsarbeit geleistet, aber ich habe auch gelernt nachzugeben, vor allem bei den Industriedenkmälern.

Die Leute wollten lieber Neubau. Das musste ich akzeptieren.

"Wild bauen" - können die Niederländer das überhaupt?

Doch, das Resultat kann sich sehen lassen! Wir hatten drei Ebenen:

Auf der ersten führte ich Regie, auf der zweiten gab es nur noch bestimmte Vorlagen, auf der dritten waren die Bürger völlig frei. Da mögen ein paar Bausünden entstanden sein, aber ach . . .

Die schönste Straße ist auf dem ersten Niveau entstanden!

Ja, die Museumlaan. Da hatte ich alles unter Kontrolle.

Projektleiter:

Architekt Pi de Bruijn