Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 115

Mit Schenkungen getrickst

Von Claudia Bodin

Raubkunst: Durchsuchungen in kalifornischen Museen

Fünf Jahre lang gab sich ein Undercover-Agent im Staatsauftrag als Kunsthändler aus. Er wurde Zeuge, wie Raubkunst aus Thailand, China und Burma seinen Weg in amerikanische Museen fand. Zwar handelt es sich um weniger spektakuläre Fälle als den des J. Paul Getty Museum in Los Angeles, dessen Ex-Kuratorin Marion True noch immer in Italien gerichtlich verfolgt wird. Aber die US-Behörden setzten damit ein deutliches Zeichen: Museen, die bei der Herkunftsüberprüfung von gespendeten Kunstschätzen großzügig ein Auge zudrücken, sollen nicht länger ungestraft davonkommen.

Im Zuge der Ermittlungen wurden vier kalifornische Museen, darunter das Los Angeles County Museum of Art (siehe oben) und das Privatmuseum des Chicagoer Sammlers Barry MacLean von der Polizei durchsucht. Im Zentrum der Nachforschungen stehen der kalifornische Antiquitätenhändler Robert Olson und die Galeristen Jonathan und Cari Markell aus Los Angeles. Und so sollen die drei vorgegangen sein:

Olson beschaffte das illegal ausgegrabene Kulturgut. Die Stücke wurden anschließend bemalt oder mit "Made in Thailand"- Aufklebern versehen, damit Ehepaar Markell sie als billige Kopien nach Amerika importieren konnte.

Die Schmuggelware verkauften sie recht günstig für Preise von 1500 Dollar (990 Euro). Ihren Kunden aber besorgten sie Dokumente und Gutachten, die der heißen Ware einen sehr viel höheren Wert bescheinigten. Dann organisierten die Markells Schenkungen an wenig kritische USMuseen - und die edlen Spender konnten diese steuerlich geltend machen, was sich lohnt: Denn Schenkungen sind zu 100 Prozent absetzbar. Der 79-jährige Olson beteuert derweil: "Mir hat man versichert, dass alles, was ich tat, legal war."

Polizei-Razzia im Los Angeles County Museum of Art