Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 115

Der unbequeme Gönner

Von Claudia Bodin

Sammler: US-Mäzen Eli Broad gibt Kontrolle nicht aus der Hand

Als Eli Broad 1995 eine Arbeit von Roy Lichtenstein bei Sotheby's für 2,5 Millionen Dollar ersteigerte, zückte er einfach seine Kreditkarte. Der 74-jährige Kunstliebhaber und seine Frau Edythe gehören zu den wichtigsten Sammlern in den USA. Sein auf 5,8 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen machte Eli Broad mit Immobilien und dem Finanzservice SunAmerica. Seit er seine Unternehmen verkaufte, steckt er Millionen von Dollar in seine drei Stiftungen, die je ein Ziel verfolgen: die Verbesserung der Schulausbildung in den USA, die Unterstützung der Wissenschaft und die Förderung der Kunst. "Ich glaube, dass es wichtig ist, die Kunst zu unterstützen, weil sie die Kreativität anregt und die Bevölkerung bildet", erklärt er.

Sein letzter Coup war die Eröffnung des Broad Contemporary Art Museum, das zum Los Angeles County Museum of Art (LACMA) gehört. Mit 60 Millionen Dollar hatten die Broads den Neubau finanziert und Renzo Piano als Architekten engagiert.

Mit einer Ausstellungsfläche von 5400 Quadratmetern ist das Gebäude fast doppelt so groß wie das Whitney Museum in New York und soll das LACMA in die oberste Liga katapultieren. Zur Eröffnung liefen Amerikas Topkünstler wie Richard Serra, Ed Ruscha, Cindy Sherman und Jeff Koons auf, die alle mit Werken in Broads Sammlung vertreten sind.

Wenige Tage zuvor hatte der Mäzen mit der An sage überrascht, dass er die Kontrolle über seine begehrte Sammlung von 2000 Arbeiten behalten will. Sie solle nicht, wie bis dato angenommen, in den Besitz des LACMA übergehen, sondern in Form von Leihgaben auch in anderen Museen zu sehen sein. Er wolle verhindern, dass viele Werke im Depot landen, rechtfertigte sich Broad.

Seit 1984 hat seine Stiftung an 450 Institutionen Kunst verliehen.

2010 soll ein neues Haus hin zukommen:

Das "Eli and Edythe Broad Art Museum" in Michigan, errichtet von Zaha Hadid.

"Ich bin jemand, der aufbaut", sagt Broad. "Ich mag es nicht, nur Schecks zu schreiben." Inzwischen mehrt sich aber auch die Kritik am selbstherrlichen Inszenierungswillen des Mäzens. So wetterte der "Artnet"-Kolumnist Charlie Finch, die Museen hätten "für die dubiosen Wohltaten der Reichen schon vor langer Zeit ihre kuratorische Seele verkauft".

Eli und Edythe Broad finanzierten das neu eröffnete Broad Contemporary Art Museum in Los Angeles