Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 112

Nicht zweimal zur Kasse bitten

Von Clemens Bomsdorf

Eintrittsgelder: Gespräch mit Städelschulrektor Daniel Birnbaum

Freien Eintritt in staatliche Museen fordert Daniel Birnbaum. Der gebürtige Schwede, Rektor der renommierten Städelschule in Frankfurt am Main und international gefragter Kurator, hat gute Argumente für seinen Standpunkt. art-Korrespondent sprach mit dem engagierten Kunstexperten. art: Was spricht dafür, die Eintrittsgelder in staatlichen Museen abzuschaffen?

Birnbaum: Die Bürger sollten für das, was sie schon bezahlt haben und was ihnen deshalb gehört, nicht noch einmal zur Kasse gebeten werden. Die Sammlungen sind doch sozusagen Volkseigentum. Als Steuerzahler haben die Bürger die Häuser wie auch die Exponate schließlich mitfinanziert und was sie bezahlt haben, sollen sie auch ungehindert sehen können. Eintritt zu nehmen, bedeutet zweimaliges Bezahlen.

Wenn der Eintritt abgeschafft wird, freuen sich die Museen zwar über die steigenden Besucherzahlen, klagen aber über sinkende Einnahmen. Haben Sie eine Lösung?

Die Klage ist absolut berechtigt. Ich meine deshalb, dass nur die Sammlungen kostenlos sein sollten, Wechselausstellungen hingegen nicht. Ausstellungen, die eigens für das Museum zusammengestellt oder von anderen Häusern übernommen werden, sind oft sehr teuer.

Dafür sollten die Museen also weiterhin Eintritt nehmen dürfen, da sind sicherlich auch viele Leute bereit zu zahlen. In meiner Heimat Schweden war übrigens genau das bis Ende 2006 der Fall: Die Dauerausstellung des Moderna Museet in Stockholm anzuschauen war gratis, die Wechselausstellungen kosteten Geld.

Wer würde vom freien Eintritt am meisten profitieren?

Freier Eintritt kommt den Kunstgenießern zu Gute, vor allem denen, die sich in ein Werk vertiefen wollen. Mir geht es oft so, dass ich mir in einer Sammlung ein einziges Bild wieder und wieder anschauen möchte und deshalb gerne mal nur für elf Minuten ins Museum gehe.

Viele lassen sich aber davon abhalten, weil sie um ein Bild zu betrachten sieben Euro oder mehr zahlen müssen. Generell freier Eintritt würde aber auch bedeuten, dass andere Besuchergruppen mit den besonders Kunstinteressierten gleichgestellt werden.

Für freien Eintritt: Daniel Birnbaum