Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 113
Das Kunstimperium Würth
Von Adrienne Braun
Sammler: Schwäbischer Mäzen eröffnet sein zwölftes Museum
Kunst, findet Reinhold Würth, passt bestens zu Kommerz. Der Schraubenfabrikant sagt es ganz offen: Seine Kunstsammlung habe den Bekanntheitsgrad des Unternehmens Würth beachtlich gesteigert. Nun wurde das Kunstimperium Würth weiter vergrößert: Kürzlich eröffnete das Musée Würth France Erstein im Elsass: Ein modernes Ausstellungshaus, das die Architek ten Jacques und Clément Vergély auf dem Firmengelände des französischen Würth-Standortes errichtet haben. Dabei verteilt der schwäbische Geschäftsmann nicht etwa willkürlich die Kunsthäuser innerhalb seines Großunternehmens.
Es sind vielmehr die besonders erfolgreichen Würth-Filialen, die als "Lohn ihrer Ernte" mit Kunst verwöhnt werden.
Zwar gehen längst auch andere Sammler mit ihren Kollektionen stolz an die Öffentlichkeit - aber neben Würth, der bereits zwölf Museen vorweisen kann, wirken die Aktivitäten von Frieder Burda, Siegfried Weishaupt, Marli Hoppe-Ritter oder der Familie Grässlin eher bescheiden.
Als Würth 1991 ein Verwaltungsgebäude in Künzelsau eröffnete, sollte auch die Kunst einen Platz bekommen - und zwischen Büros und Kantine wurden Picasso und Co. ausgestellt. Kunst fördere die Unternehmenskultur, sagt er, und trage "zu einer demokratischen Bürgergesellschaft bei".
Hehre Ziele, die er sich viel kosten lässt. So bekam das Tochterunternehmen nahe Oslo 2003 eine Kunsthalle - nicht etwa in der City von Oslo, sondern auf dem Werksgelände in Hagan. Auch in Ar lesheim in der Schweiz gibt es seit 2003 ein Würth-Kunstforum, 2007 wurde in Spanien das Museo Würth La Rioja eröffnet, und für ein Museum in Portugal laufen die Planungen. Die Würth- Gruppe ist in 86 Ländern tätig, da ist noch manches Muse um zu erwarten.
Denn Kunstmäzen Würth will hoch hinaus. Er hat klein begonnen.
Als 19-Jähriger musste er nach dem Tod des Vaters den Betrieb mit zwei Mitarbeitern übernehmen.
Heute macht allein der deutsche Mutterkonzern jährlich 8,5 Milliarden Umsatz. Sein erstes Kunstwerk war ein Aquarell von Emil Nolde. Inzwischen besitzt er rund 11 000 Werke - und ist nicht mehr auf Klassische Moderne beschränkt. 2003 kaufte er 65 wichtige Werke des Spät mittelalters aus der Sammlung Fürstenberg - und entdeckte eine neue Leidenschaft. Derzeit wird in Schwäbisch Hall die Johanniterkirche aus dem 12. Jahrhundert umgebaut: Hier will Würth künftig seine Alten Meister zeigen.
So bekommt die Stadt dank seines Engagements eine weitere Attraktion, nach dem der Sammler hier 2001 bereits eine Kunsthalle baute.
Der "Kunstkonzern" Würth wächst ebenso erfolgreich wie das Unternehmen. Der 73-jährige Sammler will weiterhin seiner Leidenschaft nachgehen. Damit auch diese Investitionen gut angelegt sind - da ist er ganz Geschäftsmann - lässt sich der kunstsinnige Schraubenfabrikant von einem hochkarätigen Expertenteam beraten, in dem auch Werner Spies sitzt.
Würth-Museen im norwegischen Hagan (ganz oben), im österreichischen Böheimkirchen und in der spanischen Region La Rioja (rechts)
Museumsgründer: Reinhold Würth vor einem Bild von Rudolf Hausner
