Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 116
Entrümpeln im Zwergstaat
Von Camilla Pus
Sale: Liechtensteins Fürst lässt Möbel bei Christie's versteigern
Verzicht ist eine Tugend, an die man im Zusammenhang mit Liechtenstein kaum mehr denkt. Pikant also, dass die fürstliche Familie ausgerechnet jetzt, mitten im Steuerschlamassel, einen Teil ihrer weltweit bedeutenden Antiquitäten- und Gemäldesammlung verkauft. Die Depots sind überfüllt. Laut Fürst Hans- Adam soll das Profil der Sammlung geschärft werden, um die wahren Prunkstücke der seit über 400 Jahren angehäuften Schätze in Vaduz, fünf weiteren Familienschlössern und dem Liechtenstein- Museum in Wien auszustellen.
Am 1. April kommen 450 Lose der Liechtenstein-Kollektion bei Christie's Amsterdam unter den Hammer. Zu den Highlights gehören rund 800 Stühle, auf deren rosa Seidenpolstern schon Kaiser Joseph II. und Leopold II. bei den Banketts von Prinzessin Leopoldine und Eleonore von Liechtenstein saßen.
Außerdem trennt sich der Adel von einem außergewöhnlichen Walnuss-Schreibkabinett mit Perlmutt intarsien von 1750 zum Schätz preis von 100 000 Euro und einem Globenpaar mit Erd- und Himmelskarte, gefertigt von dem Kartografen Willem Janszoon Blaeu im frühen 17. Jahrhundert (Schätzpreis 200 000 Euro).
CAMILLA PÉUS
Die fürstliche Familie: Hans-Adam II., Fürstin Marie und ihre Kinder
Noble Sitzgelegenheiten: neun Stühle (18. Jahrhundert) sollen 12 000 Euro bringen
