Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 116

Trophäenkunst

Von Hans Pietsch

Interview: Was ein Ökonom am Kunstmarkt seltsam findet

Warum bezahlt jemand 12 Millionen Dollar für einen langsam verwesenden Hai, fragt Don Thompson. Der amerikanische Ökonomieprofessor untersucht in seinem neuen Buch "The $ 12 Million Stuffed Shark" (Aurum Press) die aberwitzigen Gesetze des Kunstmarkts. art-Korrespondent sprach mit dem Autor. art: Was bringt Sie als Wirtschaftswissenschaftler auf das Thema Kunstmarkt?

Auf keinen Fall Kunstkennerschaft.

Mein Ausgangspunkt war, den wirtschaftlichen Aspekt zu verstehen. Wie operieren Kunsthändler, wie setzen sie Preise fest?

Warum erzielen Auktionshäuser die Preise, die sie in den letzten Jahren erzielt haben?

Was ist Ihnen aufgefallen?

Zum Beispiel, dass ein eingelegter Hai für 12 Millionen Dollar verkauft wird, ohne dass er Seltenheitswert hat. Der Schöpfer dieses Werks, Damien Hirst, kann weitere Exemplare schaffen, was er auch getan hat. Und die Skulptur wurde ohnehin von Assistenten hergestellt.

Sie sagen, dass der Kunstmarkt unter den bedeutenden Wirtschaftszweigen der am wenigsten offene und regulierte ist.

Die internationale Rüstungsindustrie ist ebenfalls undurchsichtig, zumindest für die Öffentlichkeit.

Doch die wichtigen Käufer sind hier Regierungen, von denen man annehmen kann, dass sie Bescheid wissen.

Wie würden Sie den Kunstmarkt transparenter machen?

Ich bin nicht sicher, ob ich das möchte. Schließlich gibt es willige Käufer und Verkäufer. Einige Leute wollen bei Auktionen die geheim gehaltenen Mindestpreise regulieren, andere sind für ein Verbot von Preisgarantien, wieder andere propagieren, dass Galerien ihre Preise offenlegen.

Sie sprechen von "", die von Milliardären wie Steve Cohen, dem Besitzer von Hirsts Hai, gekauft werden. Was unterscheidet ihn von früheren sammelnden Monarchen?

heißt: Du besitzt eine teure Wohnung, ein Schloss und eine Jacht. Es gibt nichts mehr, was du für eine Million Pfund kaufen kannst, das deinen Reichtum besser verkörpert als ein wie dererkennbares Kunstwerk.

Könige und Adlige fungierten als Mäzene und sammelten Kunst, weil das von ihnen erwartet wurde, und um ihre künstlerische Sensibilität unter Beweis zu stellen, aber sicher nicht, um auszuposaunen, dass sie reich sind. Niemand bezweifelte das.

Kasten:

Eine längere Fassung lesen Sie unter: www.art-magazin.de/thompson

Thompson:

Warum ist ein verwesender Hai so teuer?