Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 17
"Sonne statt Reagan"
Von
SO WAR'S WIRKLICH
art berichtete im Rahmen des Achtziger- Jahre-Rückblicks im Januar-Heft über den Auftritt von Joseph Beuys mit BAP - und bekam prompt Protestpost vom Bandleader. Lesen Sie das Interview: Warum weiß man so wenig über Joseph Beuys' Fernsehauftritt als Sänger?
Ich glaube, dass man so wenig findet, weil die ganze Sache den Nachlassverwaltern von Beuys nicht sehr angenehm ist.
Die finden die Aktion peinlich?
Ja. Selbst im Beuys-Archiv auf Schloss Moyland findet man nichts darüber.
Sie haben gar nichts damit zu tun?
Es war in der Phase unseres überregionalen Durchbruchs, wir hatten vier Alben in den Top Ten. Jeder wollte was von uns, die Leute kamen mit den abstrusesten Anliegen. Da hieß es dann: Der Joseph Beuys möchte einen Song für die Grünen singen, schreib doch mal einen Text ...
Haben Sie sich nicht geehrt gefühlt?
Meine Antwort war: Das ist 'ne Luftnummer.
Von den Angeboten, die wir bekamen, war nur die Hälfte seriös. Und dieses schien mir so unwahrscheinlich, dass ich mich nicht darum gekümmert habe.
Eine Fehleinschätzung?
Ja. Eines Abends schaue ich die Sendung "Bananas" und sehe da unseren Gitarristen, unseren Bassisten, unseren damaligen Percussionisten, der am Schlagzeug saß, und zwei Chordamen: Ina Deter und die Ex-Freundin unseres Gitarristen, die im Chlodwig-Eck, unserer Stammkneipe, bediente und bei der Band Nylon Euter sang. Wolf Maahn war der Bandleader, und Beuys stand da und sang diesen grottenschlechten Text. Dann bin ich natürlich direkt ans Telefon und habe die Kollegen gefragt: Was ist das? Du wolltest ja nicht mitmachen, hieß es dann. Ich habe mich schwarz geärgert. Anstelle von mir hatte man einen Werbetexter angeheuert.
Im Nachhinein können Sie doch froh sein, bei diesem peinlichen Stück nicht mitgewirkt zu haben.
Wieso, ich hätte ja wenigstens einen vernünftigen Text geschrieben.
Was gefällt Ihnen an dem Text nicht?
Allein dieses Wortspiel , da rollen sich die Fußnägel auf. Ich habe Malerei studiert, und Beuys war einer meiner Helden. Und da sitzt man dann und weiß: Diese Chance ist vertan. Und dann hofft man: Hoffentlich wird es bald besser. Doch es wird schlimmer. Das war vor der großen Bonner Demonstration 1982, wo 300 000 Leute gegen Nachrüstung und Nato-Doppelbeschluss protestierten.
Da haben wir Beuys bei dieser Nummer begleitet. Die Zugabe war "Knockin' On Heaven's Door", was Beuys nicht kannte. Der sang nur "nack, nack, nack".
Warum erfuhren Sie damals eigentlich nicht, dass die Sache mit Beuys tatsächlich ernst gemeint war?
In dieser Phase waren wir zwar mal zu Hause und nicht auf Tour, aber ich war gerade im Begriff, zum ersten Mal Vater zu werden und hing nicht dauernd mit denen in der Kneipe ab. Vielleicht hat ja der eine oder andere auch gedacht: Klasse, dass das Alphatier mal nicht dabei ist.
Die Musik ist ja auch gar nicht so übel.
Nein, Wolf Maahn ist ja auch ein guter Komponist und Arrangeur.
War es ein Fehler, dass Beuys sich damals parteipolitisch engagiert hat?
Generell finde ich, dass ein Künstler sich nicht parteipolitisch engagieren sollte. Ein Künstler sollte Abstand zu jeglicher Form von Parteiräson halten, denn das macht unfrei, und man muss irgendwann Unwahrheiten sagen. Ein Künstler kann eine Partei unterstützen, aber er darf sich auf keinen Fall vereinnahmen lassen.
Eine längere Fassung des Interviews lesen Sie auf: www.art-magazin.de/kunst/bap
BAP-Kopf Wolfgang Niedecken
Joseph Beuys bei seinem Fernseh- Auftritt in der "Bananas"- Show
