Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 112

Freier Eintritt für staatliche Museen?

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Debatte: Was wir von Gratistickets in Großbritannien lernen können - die Regelungen unserer Nachbarländer im Vergleich

Staatliche Museen werden von Steuergeldern finanziert. Zusätzlich aber muss der Bürger, ehe er die Kulturgüter seines Landes bestaunen darf, Eintritt zahlen. Diese Regelung gilt in den meisten europäischen Staaten, auch in Deutschland - abgesehen von Ermäßigungen oder Gratiseintritten für Kinder, Jugendliche, Arbeitslose oder Senioren.

Das große Geld indes bringen die Eintritte nicht: In der Stuttgarter Staatsgalerie etwa, die 2007 rund 160 000 Besucher zählte, machten die Eintrittsgelder nur 2,2 Prozent der Gesamteinnahmen aus. In der Kunsthalle Hamburg, die 2005 immerhin 340 000 Besucher lockte, betrug der Anteil der Tickets an den Gesamteinnahmen 14,5 Prozent. Einige Länder denken deshalb über Änderungen nach oder gehen bereits andere Wege.

Schweden: Eintritt frei - hieß es 2005 und 2006 in den staatlichen Museen Schwedens. Der Regierungswechsel aber brachte das Aus für diese Regelung. Seit 2007 muss wieder gezahlt werden. Die Folge:

Vergangenes Jahr zählten allein die Stockholmer Museen 1,5 Millionen Besucher weniger. Inzwischen macht sich die liberale Folkpartiet, die mit drei konservativ-liberalen Parteien regiert, wieder für den kostenlosen Eintritt an staatlichen Museen stark. Österreich: In der Alpenrepublik setzt man auf kleine Schritte: Einen Gratistag pro Monat sieht das Regierungsprogramm vor, um Österreichs Bundesmuseen attraktiver machen. Doch bislang hat Kulturministerin Claudia Schmied keinen Vollzug gemeldet. Erst einmal soll eine Expertenrunde das Für und Wider des freien Eintritts abwägen.

Großbritannien: Kostenlos ist der Zugang zu den Sammlungen der staatlichen britischen Museen, doch für Sonderschauen, die durch Leihgaben, Transportversicherungen oder zusätzliches Personal bekanntlich Sonderkosten verursachen, dürfen die Häuser Eintrittsgeld nehmen. Die Briten fahren mit dieser Regelung seit 2001 bestens, die Besucherzahlen allein in den Londoner Museen stiegen mit Einführung des freien Eintritts um durchschnittlich 62 Prozent.

Frankreich: Problem erkannt, Lösungsmöglichkeit wird bereits getestet.

So ist der Stand in Frankreich in Sachen Museumseintritt. Um die eigenen Landsleute weg vom Fernseher und rein in Museen zu locken, öffnen bis Ende Juni 14 staatliche Museen kostenlos ihre Türen. Nicht dabei sind Pariser Touristenmagneten wie das Musée d' Orsay oder gar der Louvre, der mit 8,3 Millionen Besuchern auch 2007 wieder das meistbesuchte Museum der Welt war.

Niederlande: Touristen zur Kasse bitten, aber die Sammlungen für die eigenen Bürger kostenlos zugänglich machen, so sahen die Pläne der niederländischen Regierung für staatliche Museen noch im Sommer 2006 aus. Doch die kurz darauf neu gewählte Regierung stoppte den Vorstoß. Jetzt heißt es bescheiden: Ab 2009 sollen die 400 wichtigsten Museen für Kinder bis 12 Jahren gratis zugänglich werden.

Eintritt frei, Haus voll: Blick ins Naturhistorische Museum in London