Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 111
Brotlose Künstler in Schuldienst?
Von Clemens Bomsdorf
Plan: Dänische Regierung will dem Lehrermangel begegnen
Der Ausdruck "brotlose Kunst" kommt nicht von ungefähr. Statt ihre Werke in Museen oder Galerien auszustellen, stehen viele Absolventen von Kunstakademi en bei den Arbeitsämtern Schlange. Zumindest in Dänemark soll das anders werden. Die liberal-konservative Regierung hat sich nämlich einen Plan ausgedacht, um die Künstler vor ihrer beinahe schicksalhaften Armut zu bewahren. Künstler zu Lehrern, heißt die Lösung. Die Chancen auf Realisierung stehen gut, kommt der Vorstoß doch gleich von zwei Ministerien, dem für Ausbildung und dem für Kultur.
In Dänemark, wo die Arbeitslosenquote bei nur 2,7 Prozent liegt, herrscht Lehrermangel.
Gleichzeitig sind aber übers Jahr gesehen elf Prozent der Absolventen der Akademien für Kunst, Musik, Film und Theater ohne Job. In Dänemark können auch Freiberufler einfach Arbeitslosengeld beziehen. Das gilt auch für Künstler, die ihre Werke nicht absetzen können. Um diese Ausgaben zu sparen und den Unterrichtsausfall der Schüler zu mindern, sollen jetzt arbeitslose Künstler für den Kunstunterricht eingesetzt werden. "Wir haben immer überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit bei Künstlern gehabt und wenn die Politiker jetzt wollen, dass unsere Absolventen unterrichten, gerne. Aber sie sollen unsere Schule nicht auffordern, pädagogische Fähigkeiten zu vermitteln", sagt Mikkel Bogh, Rektor der Königlichen Kunstakademie.
Viele junge Künstler, die zum Schuldienst verpflichtet werden könnten, fragen skeptisch:
Wann bleibt dann noch Zeit für die Kunst?
