Ausgabe: 04 / 2008

Ist die Art Cologne noch zu retten?

Kunstmarkt: Galeristen nehmen Stellung zur Krise der Kölner Traditionsmesse

Sie findet statt, auch wenn es in den letzten Wochen drunter und drüber ging: Vom 16. bis 20. April öffnet die "Art Cologne" zum 42. Mal ihre Pforten. Im Vorfeld hagelte es herbe Kritik, hinter den Kulissen spielte sich ein Machkampf ab. Wie wirkt sich die Stimmung auf die rund 200 teilnehmenden Galeristen in den Kölner Messehallen aus?

Die Klagen über die "Mutter aller Kunstmessen" sind nicht neu:

Zu festgefahren, zu groß, zu wenig auf Qualität bedacht, lauten die oft gehörten Vorwürfe. Der 2003 bestellte künstlerische Direktor Gérard Goodrow brachte keine Abhilfe. Als zehn Kölner Galerien in einem offenen Brief Anfang des Jahres den "herben Bedeutungsverlust" der Messe beklagten und mit ihrem Fernbleiben drohten, musste Goodrow gehen. Mit dem Aus des "Frühstückdirektors", so Galerist Christian Nagel, wurde auch gleich die neue Satellitenmesse "Art Cologne Palma de Mallorca" beerdigt.

Alle Energie soll sich nun auf Köln konzentrieren. Doch die traditions reiche Messe hat heiße Konkurrenz:

"Art Basel", "Frieze Art Fair" in London und die glamouröse "Art Basel Miami Beach" boomen. Der Kunst markt standort Deutschland steckt da gegen in der Krise: Das zeigt das jähe En de der "Fine Art Fair Frankfurt " und der erst 2007 aus der Taufe gehobenen "dc", einer Konkurrenzveranstaltung zur "Art Cologne" im nahe gelegenen Düsseldorf.

Selbst das "Art Forum Berlin" verspielt gerade seinen Standortvorteil und mutet den Teilnehmern eine Terminverschiebung um einen Monat zu.

Wie kann Köln in dieser Lage überleben? art hat renommierte Galeristen gefragt: Ist die "Art Cologne" noch zu retten?

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Weitere Berichte zur "Art Cologne" und zur Lage am deutschen Kunstmarkt: www.art-magazin.de/cologne

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Andrée Sfeir-Semler: "Zu retten? Es ist zu spät! Alle Chancen wurden verspielt! Für einen Neustart hätte man die Messe für April 2008 absagen, einen Ortswechsel vornehmen, einen sehr attraktiven Ort im Zentrum der Stadt suchen, zurück zum alten Termin im Herbst gehen, eine sehr strenge Auswahl der Galerien treffen und die Messe stark verkleinern müssen." Messebeteiling der Galerie Sfeir-Semler (Hamburg/Beirut)

2008: Arco, Art Dubai, Armory Show, Frieze, Art Forum und Fiac

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Thaddaeus Ropac: "Grundsätzlich ist die Art Cologne kaum zu retten. Sie hat sich zu einer regionalen deutschen Messe entwickelt und wird heute im internationalen Kunstbetrieb kaum mehr wahrgenommen." Messebeteiligung der Galerie Thaddaeus Ropac (Salzburg/ Paris) 2008: Art Basel, Art Basel Miami Beach, Fiac, Frieze, Armory Show und Art Forum

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Wilfried Utermann: "Der erste Schritt ist gemacht; das Art Committee, dessen Mitglied ich bin, hat sich in diesem Jahr bei der Zulassung besonders strengen Auswahlkriterien unterworfen. Für die Art Cologne muss gelten, dass nur Qualität bedeutende Sammler anzieht. Darüber hinaus sollte Köln stolz darauf sein, die Messe in ihrer Stadt zu haben und sich intensiver durch kulturelle Begleitprogramme um die Gäste der Messe zu kümmern." Messebeteiligung der Galerie Utermann (Dortmund) 2008: Art Cologne, Art Basel und Cologne Fine Art

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Rosemarie Schwarzwälder: "Ich war bis dato eine Verfechterin des Kölner Standortes, angesichts der Vielzahl an Museen und der beeindruckenden Sammlerschaft. Aber seit dem zunehmenden Galerien- Exodus nach Berlin schwindet meine Hoffnung, dass das noch wird! Die Krise der Messe hat bedingt mit Goodrow zu tun, es ist die Fehlentscheidung der trübseligen Hallen, in die wir umsteigen mussten, die Schwerfälligkeit, notwendige Einschnitte mit Sachverstand zu vollziehen und sich von der Anmutung deutscher Biederkeit zu verabschieden. Warum ich noch teilnehme? Aus alter Anhänglichkeit." Messebeteiligung der Galerie Nächst St. Stephan (Wien) 2008: Arco, Armory Show, Art Cologne, Viennafair, Art Basel, Fiac und Art Basel Miami Beach

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Thomas Taubert: "Ich glaube schon seit zwei Jahren nicht mehr an eine prosperierende Art Cologne im Sinne einer Kunstmesse für zeitgenössische, international wichtige Kunst. Aus meiner Sicht ist die Art Cologne nur noch als Messe für Klassische Moderne und Kunst bis 1970 zu halten, sie sollte den zeitgenössischen Bereich bewusst abschreiben.

Die Szene ist nun mal nach Berlin gewandert, auch wir werden uns diesem Zug noch in diesem Jahr anschließen." Messebeteiligung von Fiedler Contemporary (noch Köln) 2008: Pulse New York, Viennafair, Fiac und Pulse Miami

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Georg Kargl: "Die Art Cologne hat eine einmalige Geschichte, und ich denke sie wird immer bestehen bleiben - doch als sehr nationale, regionale Leistungsschau. Denn viele sind damit auch zufrieden und brauchen das als Notwendigkeit zum Überleben." Messebeteiligung der Galerie Georg Kargl (Wien) 2008:

Arco, Armory Show, Art Basel, Frieze und Art Forum

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Christian Nagel: "Durch die Anerkennung unserer Forderungen ist die Art Cologne bereits auf dem Weg zur Besserung. Ein internationaler, mehrmals im Jahr tagender Galeristenbeirat, eine noch zu benennende, schlagkräftige neue Leitung, neue Hallen im Jahr 2009 und eine qualitativ höhere und kleinere Auswahl der beteiligten Galerien werden dafür sorgen, dass die Art Cologne über die Grenzen Deutschlands hinaus wieder sehr ernst genommen wird." Messebeteiligung der Galerie Christian Nagel (Köln/Berlin) 2008: Art L.A., Armory Show, Art Cologne, Art Athina, Art Basel, Art Forum, Frieze, Art Basel Miami Beach.

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Helga Weckop-Conrads: "Sicher ist die Art Cologne zu retten, wenn qualifizierte Organisatoren einen Neuanfang wagen und falsche Beschlüsse revidieren. Die Terminverlegung vom Herbst ins Frühjahr war der I-Punkt auf einer langen Reihe von Fehlentscheidungen." Messebeteiligung der Galerie Conrads (Düsseldorf/Berlin)

2008: Arco, Pulse New York, Art Brüssel, Art Amsterdam

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Judy Lybke: "Der alte Grabenkampf zwischen Köln und Düsseldorf muss beendet werden. Kölsch und Alt kann man an einem Tisch trinken (meint: das Rheinland verträgt nur eine Messe - Anm. der Red.). Die Art Cologne sollte sich auf ihre Wurzeln besinnen, die Teilnehmerzahl stark reduzieren, damit die Messe wieder übersichtlich wird, und noch mehr auf europäische Galerien setzen: Gerade für internationale Sammler könnte Köln interessant sein, um gute Kunst aus Deutschland und Europa zu entdecken und nicht, um das zu sehen, was sie eh schon in London, Basel und New York geboten bekommen." Messebeteiligung der Galerie Eigen & Art (Leipzig/Berlin) 2008: Art Basel, Art Basel Miami Beach, Frieze, Armory Show und Art Forum

Pioniere: Galeristen Kurt Hackenberg, Rudolf Zwirner und Messechef Dieter Ebert 1974 (von links)

Kölner Kunstmarkt 1967: Blick auf die Galeriekojen in der traditionsreichen Festhalle Gürzenich

Köln 1968: Messestand von Galerist René Block (Mitte), vorn "Gestapeltes Holz" (1964) von Joseph Beuys

Ungeliebte Location: Die Kölner Kunstmarkt 1967: Blick auf die Galeriekojen "Art Cologne" musste 2005 auf dem Messegelände umziehen, die alten Rheinparkhallen wurden verkauft. Doch das neue Quartier (hier der Haupteingang) stößt bei vielen Galeristen auf Ablehnung

Zieht jüngeres Publikum an: der "Open Space"- Bereich auf der "Art Cologne" im letzten Jahr

Schon Geschichte: "Art Cologne Palma de Mallorca" 2007 im Terminal A des Flughafens Palma

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