Ausgabe: 04 / 2008
Seite: 111

Sorge über wachsende Brutalität

Von Alain Bieber Gerhard Mack

Kunstraub: Serie von Diebstählen beunruhigt die Schweiz

Eine Serie von Kunstdiebstählen innerhalb weniger Wochen macht der Schweizer Polizei zu schaffen: Erst wurden aus dem Seedamm-Kulturzentrum in Pfäffikon zwei Gemälde von Pablo Picasso (Leihgaben des Sprengel- Museums Hannover) gestohlen.

Dann folgte der spektakuläre Raub von vier Bildern aus der Zürcher Sammlung Bührle, bei dem drei vermummte Täter mit Waffen Werke von Claude Monet, Vincent van Gogh, Edgar Degas und Paul Cézanne im Schätzwert von bis zu 180 Millionen Franken (113 Millionen Euro) entwendeten.

Die Gemälde von Monet und van Gogh wurden inzwischen in einem abgestellten Pkw wiederaufgefunden.

Doch die Kantonspolizei gab gleich vier weitere Diebstähle in und um Zürich bekannt.

Dabei verschwanden bei den Einbrüchen in Privathäuser und Wohnungen insgesamt 35 Gemälde im Wert von 2,2 Millionen Franken.

Ist die Schweiz ein Paradies für Kunstdiebe? Wie sollen die Museen auf diese akute Bedrohung reagieren? David Vuillaume, Generalsekretär des Verbands der Museen der Schweiz, wiegelt ab:

"Bei den stattgefundenen, spektakulären Kunstrauben in der Schweiz handelt es sich um außerordentliche, bedauerliche Einzelfälle.

Generell kann gesagt werden, dass die schweizerischen Museen sehr gut gesichert sind!" Die Axa-Art-Versicherung, der weltweit größte Versicherer von Kunst, empfahl indes allen Museen, nicht nur denen in und um Zürich, "aufgrund der aktuellen Vorkommnisse ihre Sicherheitsvorkehrungen und -konzepte neu zu überdenken". Und auch Frank Häcker, Geschäftsleiter der Liechtensteinischen Uniqa Versicherung AG, der Versicherungspartner des Verbands der Museen der Schweiz, ist der Ansicht, dass aufgrund der "erhöhten Gefährdungssituation für Museen" die bisherigen Standards überprüft werden müssen: "Wir müssen auch als Versicherer genau abwägen, welche Mindestanforderungen wir an das Sicherheitskonzept eines Museums stellen müssen, um es überhaupt guten Gewissen versichern zu können. Und nicht alle Museen sind ausreichend geschützt!" Panzerglas vor Gemälden, Sicherheitsschleusen, mehr und besser ausgebildetes Wachpersonal - das alles mag Kunstwerke erfolgreicher vor dem Zugriff von Räubern schützen. Doch was tun gegen die offenbar wachsende Aggressivität und Skrupellosigkeit der Täter? "Mit großer Sorge registrieren wir die zunehmende Brutalität", erklärt Ulli Seegers, Geschäftsführerin des Art Loss Register Deutschland, der weltweit größten Datenbank verlorener und gestohlener Kunstwerke.

"Ohne Zweifel haben wir es mit einer neuen Generation von Kunstdieben und einem ungeahnten Bedrohungspotenzial zu tun. Ich fürchte, dass sich ein Museum, das öffentlichen Besitz einer großen Öffentlichkeit zugänglich machen soll, kaum hundertprozentig gegen diese Dimension schützen kann. Ein Museum ist kein Hochsicherheitstrakt!" ALAIN BIEBER/GERHARD MACK

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Weitere Berichte zu den Diebstählen in: www.art-magazin.de/kunstraub

Polizisten durchsuchten nach dem Raub die Sammlung Bührle nach Spuren

ALAIN BIEBER GERHARD MACK