Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 76

Zeugnisse einer engen Beziehung

Von Kito Nedo

Im Martin-Gropius-Bau werden Kunstwerke des späten Klassizismus gezeigt BERLIN: MACHT UND FREUNDSCHAFT. BERLIN - ST. PETERSBURG

Eine "Heilige Allianz" hatten die Monarchen Österreichs, Preußens und Russlands im Sinn, als sie am 26. September 1815, am Ende des Wiener Kongress, ihre Signaturen unter einen gemeinsamen Bündnisvertrag setzten. Napoleon war endgültig geschlagen - nun ging es um die Wiederherstellung der alten europäischen Ordnung vor der Französischen Revolution.

Mit Erfolg: Der vom österreichischen Staatskanzler Fürst Metternich maßgeblich gestaltete Vertrag machte Geschichte und wurde eines der Schlüsseldokumente der Restaurationsära, die fortan die erste Hälfte des "langen 19. Jahrhunderts" prägen sollte. Doch besonders die Beziehungen zwischen dem russischen Zaren Alexander I. und dem Preußenkönig Wilhelm III. hätten zu dieser Zeit keiner vertraglichen Bindung bedurft. Zwischen beiden Herrschaftshäusern existierte bereits ein freundschaftliches Verhältnis, das weit über eine politisch-militärische Kooperation hinausging. Wie stark die Affinitäten in jenen Jahren tatsächlich waren, zeigt etwa die 1817 geschlossene Ehe der Preußen- Prinzessin Charlotte mit dem russischen Großfürsten Nikolai Pawlowitsch, dem späteren Zaren Nikolaus I. - eine gelungene Verschmelzung strategischer und persönlicher Interessen. Mit der breit angelegten Ausstellung "Macht und Freundschaft.

Berlin - St. Petersburg 1800-1860" will die Stiftung Preussische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg nun jene politischen und ästhetischen Allianzen der Restaurationszeit wieder ins kulturelle Gedächtnis beider Städte bringen.

Neben der geschichtlichen Entwicklung wird die Mehrzahl der Exponate die spätklassizistische Produktion jener Jahre spiegeln, die auf der preußischen Seite etwa mit dem Namen des Bildhauers Johann Gottfried Schadow oder des Architekturmalers Eduard Gaertner, auf der russischen Seite mit den Architekten Andrej Woronichin und Carlo Rossi verbunden ist.

Als besonderen Blickfang will man im Lichthof des Berliner Gropius-Baus zwei kolossale Rossebändiger-Bronzen aus der Werkstatt des Russen Peter Clodt von Jürgensburg präsentieren - ein Geschenk von Nikolaus I. an Friedrich Wilhelm IV. im Jahr 1843, die der König vor einem Portal auf der dem Lustgarten zugewandten Seite des Berliner Stadtschlosses installieren ließ. Nicht nur diese beiden prominenten Exponate werden die aktuellen Hauptstadt-Diskussionen um die verschlungenen Korrespondenzen von Gesellschaft, Politik, Kunst, Architektur und Zeitgeist erneut beflügeln.

Termin: 13. März bis 26. Mai. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und Gazprom Germania.

Katalog: Verlag Koehler & Amelang 24,90 Euro, im Buchhandel 29,90 Euro. Internet: www.gropiusbau.de

Vase mit Darstellung der Abschlussparade in Kalisch nach einem Gemälde von Karl Rechlin (Höhe 212 cm) aus St. Petersburg

Maxim Worobjow zugeschrieben:

"Das Wohnzimmer der Großfürstin Alexandra Fjodorowna im Anitschkow- Palast" - Aquarell (um 1817/20, 40 x 53 cm)