Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 70-71

Reise durch die Musterkultur

Von Petra Bosetti

Das Kunstmuseum zeigt eine große Werkschau des amerikanischen Malers WOLFSBURG: PHILIP TAAFFE

Man muss Philip Taaffes Biografie nicht gelesen haben, um seine Vorliebe für ferne Länder zu erkennen. In seinen Bildern finden sich unendliche Variationen fremdländischer Elemente, meist geometrische Formen wie Quadrate, Hexagone, Sternenformen, mäandernde Linien, die sich zu filigranen Mustern vereinen, wie man sie etwa in indischen Grabmälern, islamischen Moscheen, ägyptischen Mausoleen oder auch in den architektonischen Hinterlassenschaften der Mauren in Europa, wie der Alhambra in Granada, findet. Daneben tauchen immer wieder sich wiederholende florale Elemente auf, mit denen etwa der Mogulfürst Shajahan das Mausoleum seiner Frau Mumtaz Mahal, den Taj Mahal im indischen Agra, schmücken ließ. In anderen Bildern Taaffes tauchen anthropomorphe Gebilde auf, die an die Masken Schwarzafrikas und Ozeaniens erinnern.

In der Tat ist Taaffe ein weit gereister Mann, der unter anderem den Mittleren Osten, Indien, Südamerika und Marokko besucht hat. Seine Wurzeln indes seien in Irland zu finden, gibt Taaffe selbst an, vor allem in den "keltischen schamanischen Traditionen" - die verschlungenen Knotenornamente etwa auf keltischen Kreuzen ähneln den Dekors islamischer Kulturen auf verblüffende Weise.

Taaffes "ästhetische Recherche" führte ihn "tief in die Geschichte der Formen und Stile", heißt es in einem Text des Kunstmuseums Wolfsburg, das ihm eine Werkschau ausrichtet. Die Ausstellung ist deshalb als eine Art "Weltkarte der Formen" angelegt, in der die Besucher eine "Reise durch Zeiten und Kulturen" unternehmen können. Kuriosum am Rande:

Philip Taaffe, 1955 in New Jersey geboren, wurde in den achtziger Jahren durch einen kurzen Abstecher in die so genannte "Appropriation Art" berühmt - die Künstler wollten durch Kopieren von bekannten Arbeiten die Einmaligkeit des Kunstwerks ad absurdum führen, Taaffe kopierte die augenreizenden Linienbilder der Engländerin Bridget Riley.

Termin: 8. März bis 29. Juni.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39,80 Euro.

Internet: www.kunstmuseum-wolfsburg.de

"Unit of Direction" (2003, 306 x 306 cm), Mischtechnik auf Leinwand