Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 14
Was ist das für ein Brunnen?
Von
INTERVIEW MIT GAUGUIN-EXPERTIN CAROLINE BOYLE
Er befindet sich auf der Südseeinsel Hiva Oa und war über 100 Jahre stillgelegt. Kürzlich hat man darin die Reste des Hausrats von Paul Gauguin gefunden, der auf der Insel gelebt hatte. Nach seinem Tod hatten Einheimische die Sachen einfach hineingeworfen.
Und was ist übrig geblieben?
Bemerkenswert ist der Fund eines in fünf Teile zerbrochenen Schüsselchens aus Quimper in der Nähe von Pont Aven, wo Gauguin von 1886 bis 1894 immer wieder lebte. Dort werden bis heute Fayencen hergestellt. Gauguin hat das Schüsselchen dort gekauft und später mit auf die ferne Insel gebracht.
Und außerdem?
Die meisten Dinge waren dazu gedacht, Leute in sein Haus zu locken. Gauguin war am Ende sehr krank und einsam. So fand man eine Unmenge leerer Weinflaschen. Er alleine konnte gar nicht fähig gewesen sein, in den zwei Jahren, die er auf der Insel war, all die Flaschen leer zu trinken. Man entdeckte auch Parfumflakons, die Frauen anziehen sollten.
Was erfährt man noch über sein Leben?
Seine Gesundheit war miserabel. Ich habe zwei Ampullen Morphium entdeckt und Spritzen. Er hatte Syphilis und muss sehr gelitten haben. Außerdem hatte er sich 1894 den Knöchel gebrochen, der kaum heilte.
Er brauchte Morphium gegen seine Schmerzen.
Gab es Überraschungen?
Ja, vier Zähne. Es kann sich nicht um Zähne der Inselbewohner handeln. Die hatten zu dieser Zeit noch keinen Zucker und deshalb auch praktisch überhaupt keine Karies. Jene aber waren regelrecht zerfressen. Sie müssen ihm sehr große Schmerzen bereitet haben.
Trügerische Idylle: Gauguins ehema liger Brunnen auf der Südseeinsel Hiva Oa
Vermutlich vier von Gauguins Zähnen - alle schwer kariös
