Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 112-113
Auskunft über ein Gesamtkunstwerk
Von
Die neue Monogafie zu Werk und Leben des Künstlers und Architekten Hans Poelzig
Er liebte den großen Auftritt. Mit Stirnfransen, schwarzer Hornbrille und Fliege war er schon als Person eine Erscheinung. Für seine Bauten bevorzugte er Stein, am liebsten Backstein. Das Haus des Rundfunks in Berlin von 1931 wirkt so trutzig wie die archaische Ghettomauer, die er 1920 als Kulisse für den Ufa-Film "Der Golem - Wie er in die Welt kam" entwarf.
Selbst das mit Travertin verkleidete Verwaltungsgebäude der I.G.
Farben in Frankfurt am Main (heute Universität) ähnelt trotz seiner modernen Fensterbänder einer Burganlage.
Damit hielt sich der 1869 geborene und 1936 gestorbene Berliner zwischen der leichtfüßigen Moderne und der symbolschweren Tradition. Er suchte Kontakt zu allen Bereichen der Kunst, arbeitete für Theater und Kino, entwarf fast jede Bauaufgabe, war ein einflussreicher Lehrer und nicht zuletzt auch Maler.
Hans Poelzig glaubte ans Gesamtkunstwerk, dieser umfassen de Anspruch ist heute wieder interessant. Noch selten war das so anschaulich zu sehen und zu lesen wie in dieser sorgfältig gearbeiteten Monografie, die zu einer Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum, Frankfurt am Main (1. März bis 18. Mai), erschienen ist. G. M.
Wolfgang Pehnt, Matt/hias Schirren (Hrsg.): Hans Poelzig. Architekt Lehrer Künstler. Deutsche Verlags-Anstalt.
272 S., 350 Abb., 49,95 Euro
Das I.G.-Farben-Verwaltungsgebäude in Frankfurt/Main (1928 bis 1931)
