Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 113

Gewichtiger Architektenführer

Von Till Briegleb

Viele Stars und wenig Ismen: ein Nachschlagewerk der Extraklasse zur modernen Architektur BUCH DES MONATS

Der Ehrgeiz, neue Gattungsbegriffe zu finden, ist in der vielfältigen Kulturgegenwart ziemlich erschlafft. Das gilt auch für die Architektur, deren letzter Ismus, der Dekonstruktivismus, bereits von allen so bezeichneten Architekten als unbrauchbar abgelehnt wurde. So mag es konsequent für eine neue Enzyklopädie der modernen Architektur sein, sich vor allem mit Personen zu beschäftigen. Das zehn Kilo schwere Lexikon "Modern Architecture A-Z", das in sechsjähriger Fleißarbeit im Büro des Bremer Ausstellungs- und Buchproduzenten Peter Gössel entstand, verzichtet aber nicht nur auf Stilbegriffe wie "Brutalismus", sondern auf nahezu alles, was ein Nachschlagewerk auszeichnet:

Fachbegriffe oder Themenartikel, etwa zum "Ökologischen Bauen", findet man ebenso wenig wie die Geschichte wichtiger Baustoffe und Theorien. Die Auswahl der Biografien erfolgte rein nach "subjektiven" Kriterien, da Gössel eine Definition, was "modern" in der Architektur bedeutet, für unmöglich erklärt. Das führt dazu, dass das reich bebilderte, dafür knapp betextete Riesenwerk zwar Artikel zu Albert Speer aufweist, nicht aber zu Oswald Mathias Ungers (allerdings zu seinem weit weniger bedeutenden Sohn Simon Ungers dann doch).

Ist bei den zeitgenössischen Architekten die Auswahl manchmal schwer nachzuvollziehen - es fehlen Gion A. Caminada, Axel Schultes, Lacaton & Vassal oder Mansilla + Tuñón - versammelt das Monument auf über 1000 Seiten und in 600 Beiträgen dennoch eine reiche Materialsammlung zur Baukunst.

Wer ein dickes Stararchitekten-Magazin in Buchform mag, legt die 200 Euro Kaufpreis hier gut an.

Einen Pool mit Meerblick bauten die Architekten Barclay & Crousse für das Haus X in der peruanischen Provinz Cañete am Pazifik (2003)

Peter Gössel: Modern Architecture A-Z.

Taschen Verlag, 2 Bde., 1072 S., über 5200 Abb., 200 Euro