Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 106

Schrammen am Sitzobjekt

Von Birgit Sonna

Künstlernachlass: Majerus-Atelier in Berlin wieder hergerichtet

Eher rastlos zog er in seiner Berliner Zeit von Atelier zu Atelier. Zuletzt, vor dem tödlichen Flugzeugabsturz im November 2002 in Luxemburg, arbeitete Michel Majerus in einem Atelier am Prenzlauer Berg. Hier hatte der junge Maler, der gerade mal 35 Jahre alt wurde und am Anfang einer vielversprechenden Karriere stand, einen L-förmigen Erdgeschossraum in einem Hinterhaus in der Knaackstraße reno viert. Vorsichtig versuchen nun die Nachlassverwalter von Majerus, die Berliner Galerie Neugerriemschneider zusammen mit den trauernden Eltern des Luxemburger Künstlers, das Werk nach den großen Retrospektiven von 2005 in Hannover und Hamburg weiter zu öffnen. Deshalb wurde nun Majerus' letztes Berliner Atelier wieder hergerichtet, für das breite Publikum allerdings ist es nicht zugänglich. Zum Inventar gehören neben Bildern auch ein quietschgelbes Sitzobjekt von Künstlerfreund Matti Braun. Die Schrammen und Beulen bezeugen, dass Majerus das knallharte Ding von Umzug zu Umzug mitgeschleppt hat.

Einen kompletten Majerus- Raum, in dem die quadratischen Bilder und Zeichen, Gemaltes, Grafisches und Skulpturales, Minimal Art und Gestisches lässig beisammen hängen, hat kürzlich das Neue Museum in Nürnberg dank zahlreicher Leihgaben eingerichtet.

Hier hält Daniel Birnbaum, Rektor der Städelschule in Frankfurt am Main und ein Freund des Künstlers, am 16. April einen Vortrag über Majerus' Bilderwelt, in der Versatzstücke aus Comics, Werbung und der jüngeren Kunstgeschichte zusammenfließen. Auch ein Werkverzeichnis ist in Arbeit. Doch die Aufgabe scheint schwieriger zu sein, als angenommen, weil die frühen Angaben zu den unzähligen, seit 1996 entstandenen 60 mal 60 Zentimeter großen Leinwänden, aus denen Majerus seine großen Bilder zusammensetzte, nicht ganz präzise sind. Doch nach und nach soll der OEuvrekatalog in fünf Teilen erscheinen.

Einen Vorgeschmack bietet das unlängst erschienene Künstlerbuch, von Majerus bis zum Layout hin noch selbst gestaltet. Auf dem in Silberfolie verspiegelten Cover prangt in typischen Majerus- Poplettern: "If we are dead so it is."

Termin: bis 31. Mai, Neues Museum Nürnberg. Literatur: Michel Majerus, "If we are dead so it is", JRP Ringier Kunstverlag, 40 Euro

Ein ganzer Raum mit Arbeiten von Michel Majerus ist bis Ende Mai im Neuen Museum in Nürnberg zu sehen

Michel Majerus 2002 auf seinem gelben Sofa im Berliner Atelier