Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 106

Liebe zum Denkmal

Von Birgit Sonna

KOMMENTAR

Denkmalskult? Das war einmal, sollte man meinen. Jetzt aber steht dem Denkmal in München eine machtvolle Renaissance bevor. Was kümmert es da, dass kluge Köpfe auch in München darüber debattieren, in welcher künstlerischen Form kollektives Erinnern heute überhaupt Sinn hat? Gleich zwei mehr oder minder traditionelle Denkmäler müssen her. Eines soll an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern und wird von der SPD-Fraktion forciert. Das zweite, ein "Demokratie- Denkmal", haben sich die Grünen auf die Fahnen geschrieben, ganz so, als müsse man sich Sorgen um die demokratische Zukunft machen. Zum Wettbewerb des Denkmals für die NSOpfer wurden so profilierte Künstler wie Isa Genzken, Jochen Gerz, Rachel Whiteread geladen - Kostenpunkt: 350 000 Euro.

In München stehen pro Jahr etwa eine Million Euro für "freie Kunst im öffentlichen Raum" zur Verfügung. Geld, mit dem schon manch unsinniges Denkmal errichtet wurde wie das für den Grafen von Montgelas. Kulturreferent Hans-Georg Küppers: "Meine Erfahrung ist, dass Denkmäler im herkömmlichen Sinne oft nur im Moment ihrer Aufstellung Interesse wecken und dann im städtischen Raum untergehen." Der Stadtrat aber drängt, denn 2008 gibt es nicht nur die 850- Jahrfeier Münchens, sondern auch Kommunalwahlen.

Wie wäre es da mit einem Doppeldenkmal für den ehernen Zusammenhalt der Rot- Grün-Koalition?

Sinnvoll? Karin Sanders Denkmal des Grafen von Montgelas (2005) in München