Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 105

Zoff um ein Rasenstück

Von Adrienne Braun

Galeriebau: Architekten klagen gegen Saarbrücker Wettbewerb

Eigentlich ist es nur ein Stück Rasen, aber es sorgt doch für Zünd stoff in Saarbrücken. Der 2000 Quadratmeter große Grünstreifen im Besitz der Stadt dürfe nicht bebaut werden - so sah es der Architekturwettbewerb für die Galerie der Gegenwart vor.

Mehr als 300 Architekten hielten sich an diese Vorgabe und mühten sich an der vorgegebenen 4000 Quadratmeter umfassenden Bebauungsfläche neben der Modernen Galerie ab. Das Büro Hochberg + Neff aus Darmstadt aber ignorierte die Vorgaben, plante kurzerhand die angrenzende Grünfläche als Bauland bei seinem Entwurf mit ein - und bekam den ersten Preis. Der Bauherr, die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, würde jetzt am liebsten sofort mit dem Museumsbau beginnen, selbstverständlich inklusive Rasenstück.

Doch das soll verhindert werden:

Vier Architekturbüros versuchen stellvertretend für ihre Kollegen gegen den "unfairen Wettbewerb" vorzugehen, wie es Herbert Kiefer nennt, der Präsident der Architektenkammer des Saarlandes. "Das derart vergrößerte Grundstück birgt einfach mehr Möglichkeiten", sagt er, deshalb hätten viele Architekten angefragt, ob sie auch den Grünstreifen ein beziehen dürften. "Alle Anfragen aber sind mit Nein beantwortet worden." Er und seine Mitstreiter haben sich nun an die Vergabekammer gewandt, die das Verfahren noch einmal überprüft. Doch Ralph Melcher, Direktor des Saarlandmuseums, will - egal wie das Ergebnis der Prüfung ausfällt - den Neubau von Hochberg + Neff, not falls auch per Gerichtsentscheid.

Es sei "absurd", wenn dieser "wunderbare Entwurf" von den abgeschlagenen Mitstreitern verhindert wer de.

Laut saarländischer Architektenkammer kostet die Teilnahme an einem Wettbewerb wie dem zum Bau der Galerie der Gegenwart ein Büro rund 15 000 Euro.

Sollten mehrere oder gar alle betroffenen Architekten auf Schadensersatz klagen, könnte das für die Stiftung Saarländischer Kulturbesitz sehr teuer werden.

Siegerentwurf für die Saarbrücker Galerie der Gegenwart von Hochberg + Neff: Der lang gestreckte Baukörper (hinten) dehnt sich rechts auf eine Grünfläche aus, die laut Vorgaben gar nicht bebaut werden dürfte