Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 108

Statussymbol mit Römerlatschen

Von Ute Diehl

Wandel: Rom setzt mit neuen Messen auf Gegenwartskunst

Bisher fuhr man nach Rom der Antike wegen. Das wird sich nun ändern. Die ewige Stadt ist auf dem Weg zu einer zeitgenössischen Kunstmetropole. Mit der Ausstellungsfläche für Gegenwartskunst gehört Rom schon jetzt zur Spitze der europäischen Städte. Zu den Scuderie am Quirinal, dem großen Ausstellungspalast nahe der Via Nazionale, der städtischen Galerie mit ihrem neuen Anbau von Odile Decq und ihrer weitläufigen Zweigstelle in den ehemaligen Schlachthallen am Testaccio kommt im nächsten Jahr noch das neue, von Zaha Hadid entworfene Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst. Auch die ausländischen Kulturinstitute sind munter geworden, und die Zahl der Privatgalerien nimmt stetig zu. Die verborgene Welt der römischen Sammler kommt langsam ans Licht, mit illustren Namen wie Beatrice Bulgari und Maria Teresa Fendi. Im Dezember eröffnete Larry Gagosian eine Dependance im Zentrum, und das Ereignis wurde euphorisch gefeiert. Selten sah man in Rom einen solchen Prominentenauflauf.

Bürgermeister Walter Veltroni, 52, hat die Gegenwartskunst als Statussymbol entdeckt. Er begrüßte Gagosian als einen "Mäzen".

Kulturminister Francesco Rutelli entdeckte, dass "wirklich innovative Städte nur solche sind, wo die zeitgenössische Kunst eine große Rolle spielt". Was noch fehlte, war eine Kunstmesse. Damit beauftragte man nun Roberto Casiraghi, der 13 Jahre lang die Turiner "Artissima" geleitet hat.

Auf der "Art Basel Miami Beach" tauchte er mit sechs sehnigen Römern auf, die, bekleidet mit Schnürsandalen, ledernem Brustschild und Helm, für die neue römische Messe, "The Road to Contemporary Art 2008", warben.

Sie findet in stilvoller Symbiose von Antike und Gegenwart vom 28. Februar bis 2. März in sechs im Zentrum Roms gelegenen historischen Bauten statt. Namhafte Galerien wie Massimo de Carlo, Karsten Greve und Sperone Westwater haben sich angemeldet.

Gleichzeitig läuft eine zweite Messe mit Focus auf die junge italienische Galerienszene, "Arte contemporanea moderna", unter Leitung der Kunstkritikerin Daniela Salvioni im Kongresspalast.

In Rom liebt man es glanzvoll.

Jetzt müssen nur noch Käufer kommen.

Eröffnungsparty bei Larry Gagosian (oben rechts), mit Nicola Bulgari, Paolo Baratta und Peppi Franchi (unten)