Ausgabe: 03 / 2008
Seite: 110
"Riesige Sammlung verkommt"
Von Susanne Altmann
DDR-Kunst: Dem Archiv Beeskow fehlen Geld und Personal
Einst schmückten sie volkseigene Betriebe, Parteibüros, Schulen und Kombinate, doch seit 1994 fristen etwa 23 000 Werke der DDR-Kunst, darunter auch Arbeiten von Fritz Cremer und Walter Womacka, in einem einstigen Futterspeicher im brandenburgischen Beeskow ein tristes Dasein.
Sie stammen aus Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.
Das Beeskower Kunstarchiv, das auf Betreiben des letzten Kulturministers der DDR, Herbert Schirmer, eingerichtet wurde, könnte eigentlich als Mekka für die Erforschung ostdeutscher Kultur- und Kunstgeschichte gelten.
Doch die Realität sieht ganz anders aus: In Beeskow wer de heute weder der ursprüngliche Forschungsauftrag des Depots erfüllt, noch seien die Kunstwerke sachgemäß gelagert und archiviert, kritisiert der Dresdner Soziologe und Ostkunstexperte Karl-Siegbert Rehberg:
"Hier verkommt eine riesige Sammlung." Ob etliche Stücke in dem ehemaligen Speicher, der in einer feuchten Senke an der Havel liegt, nicht bereits ernste Schäden davongetragen haben, sei dringend zu überprüfen, so Rehberg. Zwar wurde das Depot mit einer gewaltigen Klimaanlage ausgestattet, doch diese wird nur sporadisch betrieben, weil die Energiekosten sonst zu hoch ausfallen und das jährliche Budget von 135 000 Euro zu sehr belasten würden.
Zudem werden Bilder überwiegend auf Holzgestellen gelagert oder an die Wände gelehnt. Für pro fessionelle Hängegitter fehlt das Geld.
Eine wissenschaftliche Bearbeitung wird erschwert, weil die digitale Katalogisierung noch immer nicht abgeschlossen ist. Kein Wunder, erklärt Rehberg, denn es gibt kaum Personal. Auch eine leitende Fachkraft fehlt: Das Beeskower Kunstarchiv wird vom Kulturdezernat des Oder-Spree- Kreises mitverwaltet. Die zuständige Dezernentin Ilona Weser kann von dem schmalen Budget dauerhaft keinen Wissenschaftler bezahlen: "Solange die Länder sich nicht nachhaltig finanziell zu ihrer Sammlung bekennen, ist keine Änderung in Sicht!"
Unsachgemäß gelagert:
Gemälde von ehemaligen DDR-Künstlern im Beeskower Archiv
Karl-Siegbert Rehberg
