Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 92

Diplomat zwischen Okzident und Orient

Von Michael Kohler

Das Landesmuseum für Natur und Mensch zeigt die Kultur der Stauferzeit OLDENBURG: KAISER FRIEDRICH II. (1194-1250)

Schon zu Lebzeiten rankten sich Legenden um Friedrich II. (1194 bis 1250). Die größte entstand jedoch nach seinem Tod. Im mittelalterlichen Volksglauben der Italiener wartet der römisch-deutsche Kaiser tief im Vulkan Ätna versteckt darauf, zur rechten Zeit zurückzukehren, im deutschsprachigen Raum versetzte ihn die Legende in die Tiefen des Thüringer Kyffhäuser. Kurioserweise wurde diese Sage später auf seinen berühmten Großvater Friedrich I. ("Barbarossa") übertragen.

Friedrich ging als einziger Kreuzzügler in die Geschichte ein, der Jerusalem statt mit dem Schwert mit diplomatischer Kunst eroberte. Auch hat das Verhältnis zwischen Okzident und Orient in ihm eine ebenso spannungs- wie aufschlussreiche Gestalt angenommen.

Friedrich II. war vor allem Spross des weltoffenen Mittelmeerraums. In seiner sizilianischen Heimat verbanden sich griechische, romanische und arabische Einflüsse in einem geradezu modern anmutenden Schmelztiegel. Die se einzigartige Stilmixtur scheint das Mittelalter in gestalterischer Hinsicht bereits hinter sich gelassen zu haben. Mit dem Castel del Monte schenkte Friedrich dieser Epoche ein steinernes Monument: Das auf einem Hügel gelegene Kastell variiert die Form eines Achtecks mit mathematischer Exaktheit und verbindet die Regelmäßigkeit islamischer Schlossanlagen mit der herben Schlichtheit deutscher Ordensburgen.

Weitgehend schmucklos überschaut der wuchtige Baukörper die unter ihm liegende Landschaft, ganz nach der Formel: Weniger ist mehr.

Wenn auch nicht das Bauwerk selbst, so können die Besucher des Landesmuseums in Oldenburg immerhin dessen Grundriss beschreiten. Die Ausstellungsfläche ist dem berühmten Kastell nachempfunden, während der Kaiser in seinen Rollen als Herrscher, Wissenschaftler, Mäzen und Bauherr sowie als Kronzeuge einer "Welt und Kultur des Mittelmeerraums" - so der Untertitel der Schau - erscheint.

Zur Ausstellung reisten herrliche Stücke aus europäischen Museen, Bibliotheken und Sammlungen nach Oldenburg - goldene und steinerne Herrscherbildnisse, Kunsthandwerk, vor allem kostbare illustrierte Handschriften. Die berühmteste ist von Friedrich persönlich verfasst, und es heißt sogar, er habe sie möglicherweise mit eigener Hand niedergeschrieben:

In "De arte venandi cum avibus" hat der begeisterte Falkner Friedrich alles über Pflege, Haltung und Aufzucht von Falken der Nachwelt hinterlassen.

Termin: 10. Februar bis 15. Juni.

Katalog: Verlag Philipp von Zabern, 29,90 Euro, im Buchhandel 44,90 Euro. Gefördert u. a. von: Oldenburgische Landesbank.

Internet: www.friedrich-ii.naturundmensch.de

Friedrich II., Darstellung aus seinem berühmten Falkenbuch "De arte venandi cum avibus"

Die "Krone Apuliens": das Castel del Monte", errichtet im 13. Jahrhundert