Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 89
Skurrile Projekte, absurde Ideen
Von Sandra Danicke
Im Portikus wird die Italienerin zur Ausstellung ein feucht-fröhliches Fest geben FRANKFURT AM MAIN: PAOLA PIVI
Für ihre Kunst ließ sie schon mal zwei Zebras durch eine verschneite Hochgebirgslandschaft stapfen, ein Krokodil durch Schlagsahne kriechen und einen Esel perplex in einem wackelnden Boot herumstehen (art-Titel 8/2003). Ein anderes Mal verfrachtete die Künstlerin einen Sattelschlepper auf die Seite, stellte einen Helikopter wie ein hilfloses Insekt auf den Kopf - so geschehen 2006 auf dem Salzburger Residenzplatz - oder ließ 100 in identische graue Oberteile und schwarze Hosen gekleidete Chinesen auf einer Kunstausstellung aufmarschieren.
Paola Pivi ist bekannt für skurrile Projekte und absurde Ideen. Was der 1971 in Mailand geborenen Künstlerin einfällt, das will sie auch realisieren - und sei es noch so aufwändig und befremdlich (art 5/2004). Von den komplizierten Aktionen bleibt letztlich nicht mehr als ein Foto, das man theoretisch auch digital hätte herstellen können, aber derartige Manipulationen kommen für Pivi nicht infrage. Die Künstlerin will, dass ihre Projekte verwirklicht werden - und sei es auch nur für ein paar Sekunden.
Selbst als ihr irgendwann die Idee kam, ein Foto der Insel Alcudi in Originalgröße auf PVC-Folie zu drucken und in der libyschen Wüste auszulegen, ließ sie sich nicht davon abbringen, ihre Idee Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen, wenngleich die komplette Fertigstellung des Projekts vermutlich noch einige Jahre auf sich warten lassen dürfte. Stets geht es Pivi in ihren Arbeiten darum, bekannte Objekte in ungewohnte Kontexte und Situationen zu bringen und somit Wirkungen und Reaktionen zu erzielen, die in der Theorie nur schwer vorhersehbar sind.
Für ihre Ausstellung im Frankfurter Portikus verspricht Paola Pivi jetzt ein feucht-fröhliches Fest: "It's a Cocktail Party" lautet der Titel der Schau, für die die Künstlerin eine Rauminstallation aus Röhren, Pumpen und Bassins plant. Diverse Flüssigkeiten wie Rotwein, Olivenöl, Parfum oder Farbe sollen jeweils in einem geschlossenen System zirkulieren.
In breitem Strahl sollen die Stoffe, die über ganz unterschiedliche Zähigkeiten verfügen, aus der Höhe in die Tiefe schießen, um dann erneut hochgepumpt zu werden. Vielleicht wollte Pivi einfach mal wissen, wie es sich anfühlt neben einem Kreislauf aus flüssiger Seife zu stehen.
Termin: 26. Januar bis 9. März. Katalog: erscheint nach der Ausstellung. Internet: www.portikus.de
"One Cup of Cappuccino then I go", Fotoarbeit (2007, 160 x 214 cm) von Paola Pivi
