Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 100

Rauschenbergs aufmüpfige Kinder

Von Claudia Bodin

NEW YORK: NEW MUSEUM

Mit forschen Statements macht das New Museum seit 30 Jahren Lust auf junge Kunst. Nun hat es in Downtown Manhattan sein erstes eigenes Haus bezogen. Der Neubau des New Museum an der Bowery sieht aus wie ein Haufen unordentlich übereinander gestapelter Bauklötze. Ein Netz aus Aluminium umspannt die Fassade, je nach Wetterlage und Tageszeit lässt es das Gebäude weiß, silber oder tiefgrau erscheinen.

Erbaut wurde das siebenstöckige Haus von dem japanischen Architektenduo Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa und ihrem Büro SANAA.

Es hat eine Gesamtfläche von 5500 Quadratmetern, drei Etagen mit Ausstellungsräumen, ein Stockwerk für Kunststudien, ein Theater und einen Veranstaltungsraum mit Blick auf Downtown. Und es ist das erste eigene Zuhause des Museums.

Seit seiner Gründung 1977 durch Marcia Tucker, die wegen ihrer radikalen Ansichten als Kuratorin im Whitney Museum gefeuert worden war, steht das New Museum of Contemporary Art für provokante Ausstellungen. Es widmet sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst und sieht sich als Gegenstück zu den etablierten Häusern der Stadt, die eher Ehrfurcht vor großer Kunst vermitteln. Die neuen Räumlichkeiten strahlen die Offenheit aus, mit der sich das Museum präsentieren will.

Um die Trennung zwischen dem Trubel auf der Bowery und dem Museum aufzuheben, ist der Eingangsbereich komplett verglast. In den Galerien gibt es keine Säulen, die den Blick einschränken.

Hohe Decken geben der Kunst Raum; in ihrer bescheidenen Größe machen die Ausstellungshallen die Arbeiten zugänglich.

Für die Eröffnung entschieden sich Direktorin Lisa Phillips und ihr Team gegen die verlockend einfache Lösung, mit einem bekannten Namen aufzutrumpfen.

"Unmonumental" heißt anstatt dessen die erste, in mehreren Stufen ablaufende Ausstellung. Installationen, Skulpturen und Collagen von 30 überwiegend jungen Künstlern nehmen die Räume ein. Alltagsgegenstände einer Konsumgesellschaft wie Kleidungsstücke, Pappkartons, Sofa und Matratze Anrührend unmonumental: Isa Genzkens "Elefant" (2006) (links) und der SANAA-Neubau. An der Fassade "Hell, Yes!" (2001) von Ugo Rondinone wurden zu Low-Tech-Werken verarbeitet.

Insgesamt liefern die Künstler, die wie Robert antreten, damit die Anti-Kunst zu den perfekten Objekten ihrer älteren, etablierten Kollegen. Manches, wie die Arbeiten des Berliners John Bock, der mit Pizzakartons, alten Milchcontainern und Zeitungsausrissen spielt, kommt allerdings wie ein krampfhafter Versuch daher, angesagt zu sein. Anderes, wie der Maschendrahtkäfig von Sam Durant, der dazu aufruft, sich dem Gesetz zu widersetzen, ist plump. Zu den beeindruckendsten Arbeiten zählen Isa Genzkens anrührender "Elefant" (2006) aus Plastikröhren und Kunstblumen und Urs Fischers nackte Madonnenbüste, die wie eine Kerze während der Ausstellung abfackeln wird.

Man habe nicht vor, ein Mini- MoMA zu sein, eher sehe man sich als Anstifter und Pioniere, sagt Direktorin Phillips. Ihrem neuen Gebäude gelingt es, ein forsches Statement abzugeben, und der Ausstellung, Lust auf Kunst zu machen, die ohne Erfolgsstories und Höchtspreise auskommt.

Termin: bis 23. März 2008. Katalog: Phaidon Verlag, 69,95 Dollar, im Buchhandel 69,95 Euro.

Internet: www.newmuseum.org

Anrührend unmonumental: Isa Genzkens "Elefant" (2006) (links) und der SANAA-Neubau. An der Fassade "Hell, Yes!" (2001) von Ugo Rondinone