Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 6
Blick fürs Ganze
Von
"Deutschland isoliert sich" - Journalbeitrag über staatlich geförderte Wärmedämmung (12/2007)
Als Architekt und Stadtplaner befasse ich mich seit vielen Jahren mit energiesparendem Bauen, aber auch mit alten Bauweisen und der Bedeutung des einzelnen Gebäudes für das Stadt- und Ortsbild. Und ich kann dem Autor nur zustimmen. Natürlich können auch (teurere) mineralische Dämmstoffe eingesetzt werden - aber wer zahlt die schon? Und natürlich kann Dämmung von innen erfolgen, um die Fassade nicht sofort zu zerstören - doch die Bauschäden lassen da häufig nicht lange auf sich warten. In der Diskussion völlig außen vor bleibt meist die Frage, warum alte Häuser mit dicken Mauern gar nicht so viel Heizenergie benötigen, wie sie es rechnerisch sollten. Und die Tatsache, dass die Effektivität von Dämmungen mit zunehmender Wirkung leider exponentiell abnimmt. Aber dank Software rechnen wir "Fachleute" den Energiebedarf halt auf das letzte Promille genau aus - zumindest theoretisch, aber der Passivhaus- beziehungsweise KfW-Standard will ja schließlich nachgewiesen sein!
Leider verlieren wir nur allzu häufig das Ganze aus dem Blick.
Ingo Blatter, Architekt und Stadtplaner, Gundelfingen
Herzlichen Dank der Redaktion! Endlich benennt jemand diesen fortgesetzten Wahnsinn, der in unseren Städten und Dörfern wütet. Nachdem der Bombenkrieg unendlich viel historische Bausubstanz gekostet hatte, wurde beim Wiederaufbau das Zerstörungswerk vielerorts gleich fortgesetzt und Stadtbilder durch Straßen und Hochhäuser unwiederbringlich entstellt. Dann kamen die Glasbausteine, Isolierfenster und Baumarkttüren, die noch ins letzte Schwarz walddorf vordrangen und aus alten Bauernhäusern neureiche Spießervillen machten.
Nur der Osten Deutschlands blieb mangels Geld davon weitgehend verschont.
Aber die Dämmverordnung wird nun auch hier die Geschichte ausradieren.
Mit Steuergeldern subventioniert!
Günter Struwe, per E-Mail
