Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 84
Die Aura des Unheimlichen
Von Mirja Rosenau
Die Tate richtet dem hoch gehandelten britischen Maler eine große Werkschau aus LONDON: PETER DOIG
Der Verkauf von Peter Doigs "Weißem Kanu" (1990/91) leitete im Februar 2007 ein neues Kapitel in der Geschichte der Kunstmarktkapriolen ein: Sagenhafte 5,7 Millionen Pfund, die ein russischer Großindustrieller zu zahlen bereit war, machten Doig vorübergehend zum teuersten lebenden Maler Europas und zogen die Schraube der Gegenwartskunsttaxen noch einmal nachhaltig an.
Dass der 1959 in Edinburgh geborene Doig, der in der Karibik und Kanada aufwuchs, in London studierte und nun wieder auf Trinidad lebt, nicht nur ein hoch bezahlter, sondern auch ein Künstler mit Tiefgang ist, will die große Werkschau in der Tate Britain beweisen. Über 50 Gemälde aus rund 20 Jahren und verschiedene Grafikzyklen führen vor Augen, wie Doig Fotos, Postkarten, Plattencover, Filmstills und kunsthistorische Zitate zu riesigen, traumhaft entrückten Bildern verwebt. Sie zeigen außerdem ein Verfahren, das aus einem konzentrierten Motivkreis immer neue Ableitungen schöpft: An stillen Gewässern und hinter Bäumen gelegene Häuser sind ein wiederkehrendes Thema, kleine Skifahrer an großen Hängen, Menschen am Strand und allein im Wasser, oft in Gedanken versunken und wie per Blitzlicht aus der Nacht ins Bild geholt.
Kanus malt Doig bereits seit Ende der achtziger Jahre: Das Motiv hat er einem Horrorfilm entnommen, in dem ein Ertrunkener einen See heimsucht. Ihn interessiere, sagt der Künstler, was uns entgeht, wenn wir uns auf das konzentrieren, was unmittelbar ins Auge springt.
Ein weißes Kanu beispielsweise, das umgibt? Man wird sehen, was in der Tate aus der Tiefe zutage tritt.
Termin: 5. Februar bis 27. April. Weitere Stationen:
22. Mai bis 14. September, Musée d' Art moderne de la Ville de Paris, 9. Oktober bis 11. Januar 2009; Schirn- Kunsthalle, Frankfurt am Main. Katalog: 16,99 Pfund.
Internet: www.tate.org.uk
Irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht: Peter Doigs "Spiegelung (Wie sieht deine Seele aus?)" (1996, 295 x 200 cm)
