Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 114

Schau der leeren Hallen

Von Merten Worthmann

Provokation: 28. Biennale von São Paulo ohne Kunst geplant

Auf der 28. Kunstbiennale von São Paulo im kommenden Herbst wird keine Kunst zu sehen sein. Mit leeren Hallen will der Direktor der Schau, Ivo Mesquita, eine grundsätzliche Reflexion über das Format Biennale provozieren. "Die Biennale folgt einem Ausstellungsmodell aus dem 19. Jahrhundert, während wir uns bereits im 21. Jahrhundert befinden", so Mesquita. "Man muss der Erschöpfung des Formats Biennale ins Auge sehen.

Ich schlage eine Kritik des Modells aus dem Innern der Veranstaltung selbst vor." Einer der zwei Biennale-Pavillons auf dem von Oscar Niemeyer entworfenen Ausstellungskomplex soll ganz leer bleiben. In der oberen Etage des Hauptgebäudes wird eine Bibliothek mit Katalogen aller momentan weltweit stattfindenden Biennalen eingerichtet. Die untere Etage soll sich in einen Raum für Begegnungen verwandeln.

Die Biennale von São Paulo, 1951 ins Leben gerufen, gehört zu den ältesten und wichtigsten Ausstellungen ihrer Art. Schon zur letzten Ausgabe 2006 wurden die traditionellen Ländersektionen aufgegeben. Die Radikallösung des aktuellen Direktors ist auch eine Reaktion auf dessen verspätete Ernennung. Korruptionsvorwürfe gegen Manoel Pires da Costa, den Präsidenten der Biennale-Stiftung, hatten Mesquitas Nominierung mehr als ein Jahr hinausgezögert. Statt nun innerhalb von zehn Monaten eine schlecht vorbereitete Behelfsausstellung zu präsentieren, entschloss sich Mesquita zur Flucht nach vorn. "Die Besucher, an vollgehängte Wände gewöhnt, werden durch die Konfrontation mit dem leeren Raum zum Nachdenken gebracht", glaubt der neue Direktor. Und hofft, dass die Diskussion, die sein Konzept provoziert, den Weg zu einem zeitgemäßen Biennale-Modell weist.

Ivo Mesquita Direktor der 28.

São-Paulo-Biennale, setzt ganz auf die schönen, leeren Hallen der Ausstellungspavillons