Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 113
Von Kündigung bedroht?
Von Kito Nedo
Immobiliendeal: Gefahr für Museum im Hamburger Bahnhof
Droht dem Berliner Museum für Gegenwart Hamburger Bahnhof demnächst die Räumung? Dies legt ein Antrag der FDP-Fraktion im Ausschuss für Kulturelle Angelegenheiten des Berliner Landtags nahe. Die bedrohliche Vision hängt mit dem kürzlich erfolgten Verkauf der ehe mals bahneigenen Immobiliengesellschaft Vivico Real Estate GmbH an die österreichische CA Immo für 1,3 Milliarden zusammen, die damit auch die neue Eigentümerin des Geländes um den Berliner Hauptbahnhof an der Invalidenstraße ist, wo auch der Hamburger Bahnhof steht.
Die Gefahr lauert im Mietvertrag, den die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit dem einstigen Staatsbetrieb Vivico für das 1996 nach einer mehrjährigen Umbauphase eröffnete Museum schloss:
"Der Mietvertrag des Hamburger Bahnhofs mit der Vivico hat nach unseren Informationen eine Kündigungsfrist von nur sechs Monaten, so dass nach einem Eigentümerwechsel auch eine kurzfristige Änderung der Gebäudenutzung möglich wäre", warnt Christoph Meyer, kulturpolitischer Sprecher der FDPFraktion.
Zu Vertragsdetails äußere man sich nicht, erklärt Markus Diekow, Sprecher der Vivico in Frankfurt am Main. Doch er beeilt sich zu betonen, dass man im Museum "eine hochwertige qualitative Nutzungsform" sieht, die die Attraktivität des Areals insgesamt steigere. Hinter dem Museum forciert die Immobiliengesellschaft im Rahmen des "Kunst-Campus" sogar die Ansiedlung von Galerien und Sammlern. Noch dieses Jahr soll mit der "Halle am Wasser" in Zusammenarbeit mit den Galeristen Friedrich Loock und Kristian Jarmuschek ein neues Galerienhaus er öffnen. Auch Eugen Blume, der Leiter des Hamburger Bahnhofs, will von sechsmonatigen Kündigungsfristen im Mietvertrag des eigenen Hauses nichts wissen. Dass künftig die Kündigung wie ein Damoklesschwert über dem Museum hängt, glaubt er auch nicht. Die FDP aber setzt lieber auf Nummer Sicher und fordert deshalb vom Senat eine "bauplanungsrechtliche Sicherung des Hamburger Bahnhofs als Kunststandort" - noch bevor sich irgendein Investor ohne Sinn für Kunst für das attraktive ehemalige Bahnhofsgebäude in vielversprechender Lage zu interessieren beginnt.
Interessante Immobilie: der Hamburger Bahnhof in Berlin
