Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 112

Vom Seenebel zur Edelstahlkante

Von Kito Nedo

Nolde-Museum: Filiale in Berlin als "Visitenkarte für Seebüll"

Künstlerisch-geistige Erholung" in "ländlicher einfacher Natur" wünschte sich Emil Nolde für Besucher seines Nolde- Museums. Dessen Gründung hatte der Maler 1946 gemeinsam mit seiner Frau Ada im Rahmen der "Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde" verfügt. Herzstück und Sitz der Einrichtung, die im ersten Jahr nach Noldes Tod 1957 mit einer Ausstellung ihren Betrieb aufnahm, war das malerische Anwesen des Expressionisten in Seebüll, nahe der dänischen Grenze. Doch nun hat die Stiftung unter der Leitung von Manfred Reuther den Sprung raus aus der Idylle rein ins hektische Berlin gewagt: Seit einigen Monaten gibt es nahe dem Gendarmenmarkt eine repräsentative, 960-Quadratmeter-Dependance.

Was in der Hauptstadt als willkommener Neuzugang zur Museumslandschaft gefeiert wurde, gilt manchem Seebüll-Puristen jedoch als schwer nachzuvollziehender Schritt . Wollte der Maler seine Bilder nicht ausdrücklich abseits "des all zuviel Gebotenen und der Übermüdung" der Großstadt präsentiert wissen?

Doch Jörg Garbrecht, Sprecher der Stiftung und Kurator der Berliner Niederlassung, wiegelt ab. Berlin sei eine "Visitenkarte für Seebüll" betont Garbrecht und verteidigt den Schritt in die Hauptstadt, selbst wenn er sich vorübergehend als Zuschussgeschäft erweisen sollte. Denn in 20 Jahren erlischt das Urheberrecht der Stiftung an Noldes Bildern - mit dem Engagement in Berlin will man sich rechtzeitig neue Einnahmenquellen erschließen.

Auch rechtfertige der reiche Bestand - 600 Gemälde und 4500 Arbeiten auf Papier besitzt die Stiftung - den Ausstellungsbetrieb an zwei Orten: "Wir expandieren, um die Sammlung zu zeigen."

Hinter grauen Mauern: Nolde-Stiftung in Berlin. In grüner Idylle: Nolde-Stiftung in Seebüll