Ausgabe: 02 / 2008
Seite: 114
Österreichs Museen sollen reformiert werden - doch zu viele Köche rühren in zu vielen Töpfen
Von Almuth Spiegler
KOMMENTAR
Hermann Nitsch? Nicht ankaufen! Blümchen-Aquarelle? Mehr davon! Freier Eintritt? Aber sicher! Restituieren? Lieber doch nicht. Derart simpel könnten in Österreichs Bundesmuseen künftig Entscheidungen fallen. Sieht man so schwarz-rot jedenfalls, wie es die aktuelle Regierung ist. Denn die seit einem Jahr amtierende Kulturministerin und Ex-Bankerin Claudia Schmied glaubt anscheinend, gerade über Kunst basisdemokratisch abstimmen lassen zu können. Sie forderte die Bevölkerung auf, "aktiv teilzuhaben" an der Zukunft der Bundesmuseen.
Handle es sich doch um die "Sammlung Österreich". Volkes Stimme will sie bei der anstehenden Museumsreform sogar noch "vor die traditionellen Aufgaben der Museen" stellen. Was nicht wenige Direktoren der Bundesmuseen beim Stammeln ihres Mantras "sammeln, bewahren, forschen, vermitteln" fassungslos erbleichen ließ.
So heiß gegessen aber wird bei dieser nun endlich eingeleiteten, dringend nötigen Reform sowieso nicht werden, eher wird es matschig lauwarm, zu viele Köche rühren dafür jetzt schon in zu vielen Töpfen.
Statt sich im Hintergrund zu informieren und mutig eine eigene, ausgereifte Vision zu präsentieren, hat sich Schmied als Sicherheitsnetz ein dreiköpfiges "Moderatorenteam" zur Seite geholt - das wiederum mit einer Gruppe von rund 40 Experten bis Juni einen "Thesenkatalog" erstellen soll. Welche "konkreten Maßnahmen" bei einem solchen Prozedere im Kunstbetrieb herauskommen, weiß man von zahlreichen, ähnlich vielstimmig und kontrovers besetzten Symposien zu diesen Themen.
Nämlich gar keine. Und das angekündigte Diskussionsforum auf www. museumsreform.at war auch zwei Monate nach der Präsentation noch nicht aktiv. So gesehen können die Museumsdirektoren wieder aufatmen, es wird ihnen niemand in ihre sich überschneidenden Programme pfuschen: Schließlich wird ihr Wirken schon seit Jahren immer wieder einmal evaluiert, das Ergebnis dann ausführlich diskutiert - und in der jeweiligen ministeriellen Schublade verstaut
Bildunterschrift: Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied plant eine Museumsreform mit Sicherheitsnetz
