Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 128
Viel Kraft, viel Zeit, viel Geld
Von Kerstin Schweighfer
Handel: Niederländer kauft in Nordkorea Bilder ein
KERSTIN SCHWEIGHÖFEREine Menge Überzeugungskraft brauchte er schon, viel Zeit - "und noch mehr Geld", erzählt Frans Broersen.
Mit dieser Kombination hat es der niederländische Geschäftsmann und Sammler geschafft, in einer der strengsten Diktaturen der Welt Kunst anzukaufen:
Nordkorea. Mehr als 2200 Arbeiten ist die Sammlung inzwischen stark, "Kaesong" heißt sie, benannt nach der ehemaligen Hauptstadt des Landes.
Ehe er 2006 erstmals eine Einreisegenehmigung bekam, hatte der 56-jährige Broersen über ein Jahr lang das nordkoreanische Botschaftspersonal in Stockholm und London hartnäckig bedrängt.
"Nordkorea hat ja noch nicht einmal überall Botschaften." Außerdem wollte er nicht als Tourist kommen, er wollte Geschäfte machen.
"Es geht hier ja nicht bloß um ein paar Bildchen, sondern um Millionen!" Da er die selbst nicht besitzt, hat er zusammen mit einem großen niederländischen Unternehmer und einem Privatsammler, die beide anonym bleiben wollen, die Firma "Spring time" gegründet.
Für sie ist Broersen, der in den achtziger Jahren bereits in der ehemaligen Sowjetunion in Kunstgeschäften unterwegs war, bereits fünfmal nach Nordkorea gereist. Begleitet von zwei Dolmetschern und zwei Reiseführern könne er sich relativ frei bewegen und Künstler direkt in ihren Ateliers aufsuchen. Die Armut sei unvorstellbar, manche Maler müssten sich zu zehnt ein Atelier teilen.
"Andere hingegen sind so berühmt, dass sie in Watte gepackt werden." Das gebe es auch, so Broersen, trotz der Diktatur.
Natürlich treffe man in Nordkorea, wo Aktdarstellungen und abstrakte Kunst streng verboten sind, auf viel Propagandakunst, räumt Broersen ein. "Aber die kaufe ich nicht." Statt dessen konzentriert er sich auf Sujets wie Porträts und Landschaften. Bis zu 17 000 Euro habe er schon pro Kunstwerk gezahlt. Die Frage, ob die Künstler das Geld auch behalten dürfen, kann er nicht beantworten:
"Ich weiß ja nicht, was passiert, wenn ich wieder weg bin." Vorwürfe, es gehöre sich nicht, in undemokratischen Regimen Geschäfte zu machen, fegt er vom Tisch: "Seit wann ist es verboten, mit Künstlern in einer Diktatur Kontakt zu haben?" Inzwischen war die "Springtime"- Sammlung in Riga und in Vilnius zu sehen, wo Frans Broersen auch selbst lebt. Die Ausstellung im litauischen Kunstmuseum in Vilnius zog in dreieinhalb Monaten 40 000 Besucher an.
"Ein großer Erfolg!", sagt Kurator Skaistis Mikulionis. Als nächstes soll die Sammlung in St. Petersburg gezeigt werden. Auch mit der Amsterdamer Nieuwe Kerk laufen bereits Verhandlungen. Dort ist 2011 eine Ausstellung geplant, in der nicht nur nord- sondern auch südkoreanische Kunst gezeigt werden soll.
Bildunterschrift:
"Porträt eines jungen Mädchens", gemalt von Ri Tong Jun im Jahr 2003
Aktuelle Malerei aus dem schwer zugänglichen Nordkorea: die "Könige der Steppe" von Kim Chol aus dem Jahre 2007
Kunsteinkäufer:
Frans Broersen
