Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 127
So können die Dinge laufen
Von Gerhard Mack
Auktion: Filmobjekte von Fischli/Weiss werden versteigert
Als "Der Lauf der Dinge" 1987 bei der 8. Documenta gezeigt wurde, machte er seine Schöpfer Peter Fischli und David Weiss auf einen Schlag weltberühmt. Die langsam rollenden Reifen, die überschwappenden Schaumseen, die Stichflammen und Löschaktionen wirken so gedankenverloren wie Kinderspiel und stellen auf hintergründige Weise das Prinzip der Kausalität in Frage.
Doch so beliebt der Film des Schweizer Künstlerduos bis heute ist, so selten waren die vielen Gegenstände, die in dem 30-minütigen Werk zum Einsatz kommen, real zu sehen. Jetzt werden sie in Zürich versteigert.
Die Requisiten gingen an den Schweizer Privatsammler Alfred Richterich als Gegenleistung für die Mitfinanzierung des Films. So wurde es am 29. April 1987 vertraglich festgehalten. Richterich hatte Fischli/Weiss über einen gemeinsamen Bekannten kennen gelernt. Die jungen Künstler hatten gerade den ersten Teil ihres Films visioniert und sahen, dass sie noch viel mehr Ideen hatten.
Die Einladung zur Documenta spornte zusätzlich an. Nur Geld war keines vorhanden. Richterich half aus der Klemme und fungierte als Produzent für die zusätzlichen Aufnahmen. Nach dem Documenta-Erfolg ließ er nach Plänen der Künstler eine Stahlglasvitrine bauen, die diese seither nach jeder Museumspräsentation des Werks neu einrichteten. Die 16-Millimeter-Originalfilmrolle inklusive der Filmrechte und die Gegenstände gehören zusammen.
"Das lässt sich nicht auseinanderdividieren", sagt der Sammler und verweist darauf, dass Fischli/ Weiss häufig Gattungsgrenzen überschreiten: "Die Balancen aus Küchengeräten und Gemüsen sind Skulpturen und Performances gewesen und überleben heute als Fotografien." Einer der Gründe warum Richterich sich bei Christie's Auktion Schweizer Kunst am 1. Dezember in Zürich von dem fundamentalen Werk trennen möchte: "Es braucht nach 20 Jahren eine konservatorische Betreuung, das kann ich nicht wirklich leisten." Auch gehöre es zum "Lauf der Dinge", dass Film und Objekte von vielen gesehen werden. Also hofft Richterich, dass eines der großen Museen die Gelegenheit zum Kauf ergreift. Den Erlös der Versteigerung will er seiner Richterich- Stiftung übergeben, die Kulturinitiativen finanziert.
Bildunterschrift:
Berühmtes Requisit aus "Der Lauf der Dinge" (1987) von Fischli/ Weiss: der Käfer - eine auf einem Rollschuh befestigte, mit zwei Messern versehene Feldflasche
