Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 96
Kreise aus Stacheldraht
Von Elke Buhr
Die Kunst-Werke stellen minimalistische Formen mit politischem Inhalt vor
BERLIN: POLITICAL /MINIMAL
Kann ein Kubus politisch sein? Die Vertreter der klassischen Minimal Art hätten diese Frage für komplett irrelevant gehalten - ihnen ging es um die reine Form. Doch die Nachgeborenen haben den Würfeln und Kreisen ihren sozialen Kontext zurückgegeben. Der Belgier Francis Alÿs zum Beispiel, der den Kubus in Gestalt eines Eisblocks 1997 einen ganzen Tag lang durch die Straßen von Mexiko- Stadt schob, bis nur noch eine Pfütze übrig war: "Sometimes making something leads to nothing", so der ironische Titel der Arbeit. Oder der Algeriers Adel Abdessemed, der schlichte Kreise an die Museumswände hängt - allerdings aus Stacheldraht gefertigt.
Solchen Minimalismus mit politischer oder sozialer Stoßrichtung macht MoMA-Kurator Klaus Biesenbach jetzt zum Thema einer Ausstellung in den Kunst-Werken in Berlin. Bei Arbeiten aus den letzten vier Jahrzehnten sucht "Political/ Minimal" die Politik in der Form.
Fündig wird die Schau dabei unter anderem bei Damien Hirst, Santiago Sierra, Monica Bonvicini, Felix Gonzalez-Torres und Rosemarie Trockel.
Termin: 30. November bis 25. Januar 2009.
Internet: www.kw-berlin.de
Bildunterschrift:
Francis Alÿs verwandelt einen Kubus in Nichts
