Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 104
Traum und Paranoia
Von Birgit Sonna
MÜNCHEN: WALT DISNEYS WUNDERBARE WELT
Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung verstrickt den Vater des Zeichentrickfilms leichthändig mit Bildquellen der europäischen Kunst. Halb Europa fühlte sich in Walt Disneys Märchenwelten heimisch. Woher rührte aber dieses kollektive Déjà-vu-Erlebnis? Disney war ein Bewunderer der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts, sofern sie genug Traumstoff und Disneys Fortschrittsparanoia eine Ausflucht bot. Wie stark sich die Zeichner seiner Studios an den aus Europa herangeschafften Vorbildern orientierten, zeigt jetzt eine Schau in der Münchner Hypo-Kunsthalle. Sie bietet Bildparallelen, ohne den "Fantasia"- Zauber mit bleierner Didaktik zu vertreiben:
Zwischen tanzenden Dumbos tauchen die Ahnherren wie Untote einer alten Welt auf. Dabei war Disney die "elitäre" Kultur eigentlich nicht ganz geheuer: "Ich habe immer den gleichen Alptraum", verriet er einmal. "Ich träume, dass einer meiner Filme in einem Filmkunstkino landet." Termin: bis 25. Januar. Katalog: Hirmer Verlag, 25 Euro, im Buchhandel 39,90 Euro.
Internet: www.hypo-kunsthalle.de
Bildunterschrift:
Blick in die Münchner Ausstellung
