Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 94

Jugend am Rand

Von Mirja Rosenau

Das Museum für Photographie zeigt neue Arbeiten des deutschen Fotografen

BRAUNSCHWEIG: TOBIAS ZIELONY

Das Städtchen Trona steht im Ruf, der übelste Ort der Welt zu sein: eine heruntergekommene Industriestadt in der kalifornischen Wüste, der es an Arbeitsplätzen und Perspektiven fehlt. Breiten Zuspruch findet hier darum ein leicht selbst herstellbares Aufputschmittel namens "Crystal Meth", das Zähne faulen und junge Menschen nach kurzer Zeit wie Greise aussehen lässt. Die Bilder des 1973 in Wuppertal geborenen Fotografen Tobias Zielony, der Jugendliche an den Rändern einer aufstrebenden Gesellschaft porträtiert, führen das Elend allenfalls beiläufig mit: Nur ein winziger Zahnstummel, der hinter einer vors Gesicht gehaltenen Billardkugel aufblitzt, verraten etwa, wie kaputt der Körper des gezeigten Jungen ist. Einer Spur von Hoffnung folgt dagegen das Videointerview "The Deboard" (2008), in dem ein ehemaliges indianisches Bandenmitglied von seinem Ausstieg aus der Gang erzählt. Zielonys feine Beobachtungen einer Jugend, die zwischen Ausschluss und Zusammenhalt, Resignation und Aufbegehren steht, sind nun in einer von Maik Schlüter kuratierten Ausstellung im Braunschweiger Museum für Photographie zu sehen.

Termin: 21. November bis 25. Januar 2009.

Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro Internet: www.photomuseum.de

Bildunterschrift:

"13 Ball" aus Zielonys Fotoserie "Trona" (2008)