Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 93
Schmelztiegel der Kulturen
Von Petra Bosetti
Die Bundeskunsthalle zeigt einzigartige Schätze vom 1. bis 5. Jahrhundert nach Christus
BONN: GANDHARA - DAS BUDDHISTISCHE ERBE PAKISTANS
Heute würde man wohl salopp von "crossover" sprechen, was sich da vor rund 2000 Jahren im heutigen Nordwest-Pakistan tat: Hier feierte die buddhistische Kunst eine späte Hoch-Zeit, die aus der Vermischung verschiedener Kulturen entstanden war. Im Gebiet von Gandhara hatte das altiranische Volk der Parther seine Spuren hinterlassen, aber auch Griechen und Römer prägten die Kultur. Der französische Wissenschaftler Alfred Foucher (1865 bis 1952) machte starke Einflüsse griechischer Künstler aus und sprach von "greco-buddhistischer Kunst", für andere Wissenschaftler dominierten eher Spuren der römischen Zivilisation - nicht zu übersehen sind tatsächlich Statuen von Buddha, der in ein der römischen Toga gleichendes Gewand gehüllt ist. Tatsächlich kam Gandhara durch die Eroberungen Alexanders des Großen (330 vor Christus) mit der griechischen Kultur in Berührung und wurde durch den Handel entlang der Seidenstraße mit der römischen vertraut. "Die buddhistische Kunst Gandharas erscheint dem westlichen Blick seltsam bekannt, ihr westliches Erbe ist offenkundig", heißt es denn auch in der Ankündigung einer Ausstellung der Bundeskunsthalle in Bonn.
Etwa 300 Objekte kamen aus pakistanischen Museen nach Bonn. Besonders beeindruckend sind die Bildhauerarbeiten, die Buddhas Leben, detailreich in Stein gehauen, erzählen, Porträtbüsten oder Torsi, goldener Schmuck und Götterstatuen.
Da im Gebiet von Gandhara vor allem Schiefer vorkam, "ein Stein ohne Leben und Reiz", wie der Indologe Heimo Rau bemerkte, gingen die anonymen Künstler und Kunsthandwerker häufig dazu über, das graue Gestein mit Stuck zu überziehen und farbig zu bemalen.
Die Ausstellung in Bonn berichtet auch vom Einfluss der Gandhara-Kunst bis Zentralasien und ins östliche Afghanistan.
Das eindrucksvollste Zeugnis davon existiert nicht mehr - die riesigen Buddhastatuen von Bamiyan, die im März 2001 von den afghanischen Taliban gesprengt worden sind.
Termin: 21. November bis 15. März 2009.
Katalog: Verlag Philipp von Zabern, 29 Euro, im Buchhandel 34, 90 Euro. Internet: www.bundeskunsthalle.de
Bildunterschrift:
Schieferbüste einer reich geschmückten Dame (Mitte 1. Jh., 30 x 20 x 8 cm)
Relief "Der nachdenkliche Buddha wird gebeten, den Dharma zu lehren" (2. Jh., 17 x 31x 4 cm)
