Ausgabe: 12 / 2008

Warum sind Pokale so hässlich?

INTERVIEW MIT VOLKER ALBUS

Die meisten Designs stammen aus Zeiten mit einem anderen und eher befremdlichen ästhetischen Verständnis.

Ich denke da zum Beispiel an die Schale des Deutschen Fußball-Bunds oder diverse Weltmeisterschaftspokale, die über 100 Jahre alt sind. Sie genügen nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Ein zweiter Grund ist, dass Pokale funktionslos sind. Und das Design darf sich nicht in das Wohnambiente des Preisträgers einfügen, so dass dieser immer wieder an seine Auszeichnung erinnert wird.

Warum lassen die meisten Pokale keine Rückschlüsse auf die Leistung des Preisträgers zu?

Vielleicht liegt es daran, dass die Personen, die mit einem Preis ausgezeichnet werden, sehr unterschiedlich sein können. Der Friedenspreis des deutschen Buchhandels wurde dieses Jahr zum Beispiel an einen Maler verliehen. Die Auszeichnungen müssen einen gewissen Abstraktionsgrad haben, es kommt nicht auf die Schönheit, sondern den Wiedererkennungswert an. Kurz vor dem Finale der Bundesliga sieht man die Fans der Favoriten meist mit Papptellern in der Hand - und jeder weiß diese Symbolik zu deuten.

Wer steckt denn hinter diesen Designs?

Die Institutionen erteilen durchaus spezielle Aufträge. Ein aktuelles Beispiel ist der umstrittene deutsche Fernsehpreis, der von dem Verpackungsdesigner Peter Schmidt gestaltet wurde. Ein anderes Beispiel ist die Olympiafackel, die Philippe Starck einmal designt hat.

Wie abhängig sind Designer von Vorgaben?

Das Design soll der besonderen Leistung entsprechen und zu er kennen geben, welche Institution den Preis verleiht. Viele kreative Möglichkeiten bieten sich dabei nicht.

Sind es Kunstobjekte oder Industrieprodukte?

Es sind grottenschlechte Kunstprodukte (lacht)! Ich möchte dieser Disziplin des Designs gar nicht die Schmach antun, sie im Bereich der Kunst anzusiedeln. Es ist zweckfreies Design - "Buffet-Kunst" - aber keine Kunst.

Wie wichtig ist der tatsächliche Wert eines Pokals? Oder ist bloß der Symbolwert entscheidend?

Es gibt zum Beispiel spezielle Händler, die Olympiamedaillen vertreiben, die ausgezeichnete Sportler zum Verkauf freigegeben haben. Es gibt einige Sammler, die diese erwerben. Den Sportlern selbst liegt oft nicht viel an der Medaille an sich, so dass sie sie abgeben oder verstauben lassen. Eher ist ihr Symbolwert entscheidend, denn schließlich ist ja in den Analen festgehalten, wer der Sieger war.

Wie viel Geld geben Sammler für Medaillen oder Preise aus?

Für eine Olympiamedaille gibt es meines Wissens 10 000 bis 15 000 Euro.

Bildunterschrift:

Volker Albus, Professor für Produktdesign, HfG Karlsruhe

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Bekannt und begehrt:

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