Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 41
"Nicht nur historisch"
Von
Der Berliner Künstler Olaf Nicolai, 46, hat in seinen Skulpturen und Installationen immer wieder die Formensprache der Konkreten Kunst aufgegriffen. Mit art sprach er über das Erbe der Moderne und seine Hommage an Max Bill im Zürcher Haus Konstruktiv
INTERVIEW
Herr Nicolai, Sie tragen zur Bill- Retrospektive im Zürcher Haus Konstruktiv die Installation "Sculpture Park Cabinet" bei. Was machen Sie da genau?
Die Installation nutzt die Chance, Max Bills große Skulpturen für den Außenraum im musealen Innenraum zu zeigen. Entstanden ist eine dreidimensionale Collage, die den unterschiedlichen Umgang mit Raum erlebbar macht.
Wie sieht das aus?
Ausgehend von einem Gemälde Bills habe ich eine Skulptur entwickelt, die Bills mathematischen Bildaufbau übersetzt. Die Flächen des Bildes wurden vergrößert und die einzelnen Felder auf drei unterschiedliche Höhen angehoben. Auf diesen werden die Skulpturen präsentiert. So entsteht eine begehbare Landschaft, in der man den Skulpturen in verschiedener Höhe begegnet.
Diese Installation ist nicht ihre erste Arbeit zu Bill. Wie lange reicht ihre Auseinandersetzung zurück?
Im Kunstverein Ulm habe ich 1998 zum ersten Mal ein Bild von Max Bill skulptural interpretiert. Während meiner wissenschaftlichen Arbeit an der Universität über die "Wiener Gruppe" war die Auseinandersetzung mit Bills "Konkreter Kunst" wichtig. Und das nicht nur historisch.
Wenn man sich fragt, welche Gestaltungskriterien Räume zu dem machen, was sie sind, ist die Beschäftigung mit Bill interessant.
Sehen Sie darin die Aktualität von Max Bill?
Faszinierend für mich ist sein Insistieren auf einer Kategorie wie "Schönheit" innerhalb eines wissenschaftlich fundierten Begriffs des Ästhetischen.
Und natürlich die gestalterischen Konsequenzen seines Konzepts.
Wenn man die Skulpturenlandschaft in der Ausstellung betritt, wird man feststellen, dass die Unterscheidung zwischen Innen- und Außenraum unwichtig wird. Alles ist ein großer Innenraum. Dieser Hang zur "totalen" Gestaltung hat ja auch mit einem Horror Vacui zu tun. In einer Stadt wie Los Angeles, wo ich kürzlich gearbeitet habe, ist dies als urbanes Phänomen zu erfahren. Vom Park bis zum "Parking Lot". Die Qualität von Bills Skulpturen ist, wie sie konsequent einen idealen Raum einfordern und damit auch Grenzen markieren.
