Ausgabe: 12 / 2008
Seite: 144-145

Von grinsenden Blumen und wütenden Monstern

Von Angelika Kindermann

Kinder und Kunst, da heißt es Überzeugungsarbeit leisten. Eltern sind so etwas gewohnt.

Und zum Glück gibt es ja Hilfe, etwa in Form von witzigen, guten, aufregenden Kunstbüchern für Kinder. Zu den besonders gelungenen Neuerscheinungen gehört 3rd Place, ein Ausmalbuch des US-Künstlers Richard Prince. Statt mit kitschigen Prinzessinnen- oder schablonenhaften Autobildchen haben die Kleinen es hier mit skurrilen, in groben Linien umrissenen Gestalten zu tun: kauzige Typen mit dicken Händen, Aliens mit spitzen Ohren, Blumen mit breitem Grinsen, die so unperfekt wirken, dass viel Spielraum für eigene Ideen und Eingriffe bleibt. Ein mitreißendes Mutmachbuch zum Vorlesen und Anschauen ist Peter H. Reynolds Der Punkt.

Kunst kann jeder: Die mit knappen, humorvollen Zeichnungen illustrierte Geschichte erzählt, wie die kleine Ina dank eines winzigen Punkts und einer schlauen Kunstlehrerin lernt, ihrer Kreativität zu vertrauen. Unglaubliche Dinge gibt es in dem neu aufgelegten Bilderbuch der Collagemeisterin Hannah Höch (1889 bis 1978) zu entdecken: Aus Spargelstangen und Erbsen wachsen da Büsche, und ein Schmetterlingskörper mutiert zum Kopf eines wütenden Monsters. Die Fabelwesen, von der Künstlerin mit fantasievollen Versen und Kurzgeschichten bedacht, begeistern und schulen den Blick. Zwei peppig aufgemachte, inhaltlich solide neue Wissensbände in Sachen Kunst sind 13 Künstler, die du kennen solltest sowie Das Leben der großen Künstler. Beide bieten eine kluge Auswahl von Werkabbildungen sowie grundlegende Informationen zu Meistern der Kunstgeschichte. Einen thematischen Einstieg gibt Christiane Braune mit ihren Kunst-Bilder-Büchern Wasser und Gold, in denen sie Darstellungen aus zweitausend Jahren versammelt. Dass Kunst auch schön schaurig sein kann, beweist Pauline Sebens mit dem Band Gruselig, in dem berühmte Gemälde und Kurztexte zu Themen wie "Judith köpft Holofernes" oder "Der Vampir" für Schaudern und Entzücken sorgen. Etwas Erfahrung braucht es, um Sechs Märchen der Brüder Grimm bebildert von David Hockney zu schätzen. Denn die 39 Radierungen zu den alten Erzählungen irritieren zunächst durch ihre Strenge. Schön anzusehen sind dagegen die dreidimensionalen Papierbuchstaben des Pop-Up-Bands ABC 3D: ein kleines Meisterstück der Buchkunst, doch Vorsicht: sehr fragil.

Bildunterschrift:

Richard Prince. 3rd Place.

A Children's Colouring Book. Verlag der Buchhandlung Walther König. 82 S., 72 Abb., 14,80 Euro

Burkhard Kling (Hrsg.):

David Hockney: Sechs Märchen der Brüder Grimm. Jonas Verlag. 96 S., 41 Abb., 15 Euro

Marion Bataille: ABC 3D.

Carlsen Verlag. 38 S., mit Pop- Up -Elementen, 15 Euro

Peter H. Reynolds: Der Punkt. Gerstenberg Verlag.

32 S., mit Abb., 9,90 Euro

Christiane Braune: Kunst- Bilder-Buch Gold.

Nicolai Verlag. 88 S., 28 Abb., 19,95 Euro

Pauline Sebens: Gruselig.

Schaurig-schöne Kunstgeschichten.

Horncastle Verlag. 60 S., mit Abb., 14,90 Euro

Charlie Ayres: Das Leben der großen Künstler.

DuMont Buchverlag. 96 S., 100 Abb., 17,90 Euro

Angela Wenzel: 13 Künstler, die du kennen solltest. Prestel Verlag. 48 S., 90 Abb., 12,95 Euro

Hannah Höch: Bilderbuch. The Green Box. 44 S., 19 Abb., 24 Euro

Christiane Braune:

Kunst-Bilder-Buch Wasser. Nicolai Verlag.

105 S., 30 Abb., 19,95 Euro

Das Leben der großen Künstler: Manets "Pfeifer" (1866)

13 Künstler, die du kennen solltest: "Kühe - rot, grün, gelb", Gemälde von Franz Marc (1912, 62 x 88 cm)

Richard Prince.

3rd Place: Blume zum Ausmalen

Der Punkt:

"Ina malte und malte" - Zeichnung von Peter H. Reynolds