Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 126
Vervoordts Wunderkammern
Von Kerstin Schweighfer
Ausstellung: Belgier zeigt in Paris eine ungewöhnliche Schau
Er ist Kunsthändler, Möbeldesigner, Schlossbesitzer, Buchautor, Kunstsammler und erfolgreicher Ausstellungsmacher.
60 000 Menschen pilgerten letztes Jahr in Venedig in den Palazzo Fortuny, wo Axel Vervoordt zweieinhalb Monate lang die Ausstellung "Artempo" zeigte. art-Korres pondentin Kerstin Schweighöfer sprach mit dem belgischen Multitalent, 61, das jetzt in Paris den zweiten Teil seiner Ausstellungstrilogie zeigt. art: Auch bei Ihrer Pariser Schau geht es wie schon in Venedig bunt durcheinander: Epochen, Stile, Künstler, Kontinente, Antiquitäten, ausgestopfte Tiere und Gemälde ...
Vervoordt: Das mache ich schon seit 30 Jahren so! Ich mag es nicht, wenn alles in Schubladen eingeteilt wird - ich mache keinen Unterschied zwischen alt und neu, ich setze alle Objekte wie Freunde an einen Tisch. Ein jeder behält seine Identität, aber zusammen sind sie stärker als allein.
Wie in einer Wunderkammer?
Genau, aber dann als moderne Ausgabe, auch mit moderner und zeitgenössischer Kunst. Ich bringe alles zusammen, was mich fasziniert.
Eine Doppelstatue von Tony Cragg mit römischen Skulpturen zum Beispiel. Um die Interaktion geht es.
Was war der Anlass für diese Ausstellungen?
Ich wurde letztes Jahr 60 und wollte mir etwas Besonderes schenken - mit dem Ziel, Menschen zu verwundern. Ich möchte alles teilen, was ich besitze.
Teilen ist gut, aber man braucht dazu das nötige Kleingeld ...
Nein, die Trilogie-Schauen sind vor allem eine museale Erfahrung mit Leihgaben aus internationalen Kollektionen.
Viele Künstler sind auch mit Auftragsarbeiten vertreten. Nur ein kleiner Teil stammt aus unserem Kunsthandel.
Wie kommen Sie da auf Ihre Kosten?
Naja, bei dem kleinen Teil, der käuflich ist, handelt es sich halt um sehr wichtige Objekte!
Hier spricht der Händler. Sie entwerfen auch Möbel, richten Häuser von Prominenten ein ...
Ja, ich habe 15 Architekten im Dienst, aber zu 80 Prozent bin ich Kunst- und Antiquitätenhändler.
Ich arbeite gern und hart. Und ich habe das Glück, dass sich meine zwei Söhne jetzt um die alltäglichen Geschäfte kümmern.
Ich kann viel reisen und mich der philosophischen Seite der Dinge widmen.
Welche philosophische Weisheit steckt denn hinter dem Titel Ihrer Pariser Schau "Academia:
Qui es-tu?" Die Schau findet in der Kapelle der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts statt. Doch der Begriff Akademie ist heute viel zu negativ besetzt, das klingt konservativ.
Wir wollen ihm die ursprüngliche Bedeutung von Plato zurückgeben - nämlich als Ort der Inspiration, wo sich Wissenschaft und Kunst treffen. In Platos Akademie gab es nur ein Gebot:
"Erkenne dich selbst!" Die dritte Schau soll 2009 wieder in Venedig stattfinden. Um welches Thema geht es dann?
Um das Unfertige. Der Titel lautet "L' infinito del Non Finito", die Unendlichkeit des Unfertigen.
Termin: "Academia", bis 23. November
Bildunterschrift:
Kunst und Kunsthandwerk, Stile und Epochen gemischt: Blick in die Pariser Schau "Academia: Qui es-tu?"
Zu 80 Prozent Händler:
Axel Vervoordt
