Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 124

Wenn das Geld Visionen braucht

Von Ute Thon

Bankprojekt: Credit Suisse bügelt Image mit junger Kunst auf

Finanzkrise, Anlagebetrüger, Heu schreckenmentalität - selten hatten Geldunternehmen einen schlechteren Ruf als heute.

So gesehen muss man der Credit Suisse eigentlich zu ihrer Weitsicht gratulieren. Die zweitgrößte Schweizer Bank hatte bereits im letzten Jahr 19 internationale Künstler beauftragt, hehre Unternehmenswerte wie Vision, Wissen und soziale Verantwortung in künstlerische Arbeiten umzusetzen.

Die entstandenen Werke wurden unter dem Titel "Art & Entrepreneurship" als imagefördernde Ausstellung um die Welt geschickt, mit Stationen in Dubai, New York, Berlin, Moskau, Mailand und London. Das Konzept stammt von der Zürcher Kuratorin Michelle Nicol.

Doch die Bankenkrise hat alle eingeholt. Auch die Credit Suisse musste Milliardenabschreibungen im Investmentbanking hinnehmen.

Da helfen kein zartes Aquarell mit dem Wörtchen "Hope" des Moskauer Künstlers Pavel Pepperstein oder bunte Fotocollagen von Tzu Nyen Ho aus Singapur. Überraschend ist andererseits, wie viele, auch namhafte Künstler sich auf die PR-Aktion eingelassen haben, etwa das Duo Allora & Calzadilla, das gerade in München eine große Ausstellung hatte. Zumindest einer war die Geschichte dann wohl doch nicht ganz geheuer. Die Konzeptkünstlerin Trisha Donnelly wird im Katalog nur als "Anonymous" aufgeführt. Dennoch kann man ihre Arbeit, eine minimale Bleistiftzeichnung und ein Fetzchen roter Stoff, wie auch alle anderen Werke, am 24. November in London ersteigern - nicht zur Rettung der Bank, sondern für einen wohltätigen Zweck.

Bildunterschrift:

Credit- Suisse- Kunstschau im Berliner Ewerk:

Hand abdrücke von Fabian Marti, Tischchen von Nicola Gobbetto