Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 125

Durchstarten in Neu-Delhi

Von Almuth Spiegler

Trend: Warum Ursula Krinzinger auf Kunst aus Indien setzt

Ursula Krinzinger, eine der verdienstvollsten österreichischen Galeristinnen, die den Wiener Aktionismus durchgeboxt hat und mit Erwin Wurm einen der Shootingstars des Landes vertritt, wagt sich auf Neuland. In diesem Jahr bereiste sie mehrmals Indien, von Süden nach Norden, von Bangalore, Bombay bis Neu Delhi, und stellt ihre Künstler-Entdeckungen jetzt in mehreren Ausstellungen ein ganzes Jahr über vor. Die schon ein wenig arrivierteren wie Sudarshan Shetty in der Hauptgalerie, die ganz jungen in ihren "Projekte"-Räumen.

Frau Krinzinger, sind die Inder die neuen Chinesen des Kunstmarkts?

Krinzinger: Das ist eine gemeine Frage. Aber eine verständliche.

Ich habe den China-Hype immer sehr kritisch gesehen. Vielleicht wird indische Kunst jetzt wirklich auch so durchstarten.

Vielleicht aber wird sie noch viel interessanter als die chinesische. Mir kommt sie jedenfalls subtiler, die indische Art des Denkens und Lebens viel näher vor.

Werden die indischen Sammler eher westliche Kunst kaufen als die chinesischen?

Das wird sicher ein paar Jahre dauern. Aber schon bei Russland hat mir niemand eine Chance gegeben, dass dort einmal auch unsere Künstler gekauft werden.

Nach sechs Jahren intensiver Arbeit ist mir das aber gelungen.

Erwin Wurm hatte in Moskau gerade eine Riesenausstellung.

Und China beginnt jetzt genauso, sich für westliche Kunst zu interessieren.

Mich interessiert einfach dieser Austausch.

Nächstes Jahr zeigt Charles Saatchi eine Indien-Ausstellung und Karlheinz Essl plant in Österreich etwas Ähnliches. Wie sind Sie zu Indien gekommen?

Mich hat Indien schon als Kind angezogen. Seit zehn Jahren reise ich regelmäßig nach Sri Lanka, wo ich die "one world foundation", ein Schul- und Bildungsprojekt mit angeschlossenem Ayurveda- Hotel, unterstütze und gerade ein Künstlerstudio aufgemacht habe.

Von dort aus bin ich dann immer weiter in den Süden gereist und habe dort schon sehr interessante Künstler gesehen.

Sind Sie bei Ihren Feldforschungen über viele andere Kunstscouts gestolpert?

Nein, aber es ist danach sehr schnell gegangen. Als ich im Januar in Bangalore angekommen bin, waren dort alle sehr überrascht.

Doch eine Woche nach mir kam schon das Guggenheim, das MOCA Los Angeles und die Galerie Arndt & Partner. Kann sein, dass Indien wirklich sehr, sehr wichtig wird.

INTERVIEW:

Bildunterschrift:

Entdeckung für Wien:

Installation des indischen Künstlers Sudarshan Shetty ohne Titel von 2008