Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 127

"Die Politik vergiftet die Kultur"

Von Ute Diehl

Kunstzentrum: Keine Unterstützung mehr für Villa Manin

Die Region Friuli Venezia Giulia eröffnete 2004 in Passariano, 100 Kilometer von Venedig entfernt, in dem schlossähnlichen Barockbau Villa Manin ein Zentrum für zeitgenössische Kunst. Zum Leiter wurde der renommierte Kurator Francesco Bonami berufen.

Doch die neue Mitte- Rechts-Regierung der Region will das angesehene Kunstzentrum nicht mehr unterstützen. Mit Bonami, der daraufhin seinen Rücktritt erklärt hat, sprach art-Korrespondentin :

Gibt es noch Rettung für die Villa Manin?

Nein, das Zentrum für zeitgenössische Kunst hat keine Zukunft mehr. Seit 1. Oktober hat ein Kommissar die Leitung übernommen, Enzo Cainero, ein Politiker.

Er hat Kultur- und Sport- Veranstaltungen angekündigt.

Was wurde Ihnen vorgeworfen?

Dass wir nicht genügend Besucher hätten. Es kamen rund 100 000 Leute im Jahr. Also hieß es: Die zeitgenössische Kunst will keiner haben. Es gibt einige Regionalpolitiker, die dem Zentrum immer übel gesinnt waren. Sie bewundern Marco Goldin, einen Manager mit eigener Ausstellungsgesellschaft, der mit Impressionismusschauen Millionen in eine Kleinstadt wie Treviso gelockt hat. Er ist als künftiger Leiter der Villa im Gespräch.

Wie waren die Reaktionen auf das Ende des Kunstzentrums?

Wir haben aus dem Nichts ein Zentrum geschaffen, das heute in der Welt einen Namen hat. Im Ausland versteht man nicht, warum es schließt. Nur in Italien gibt es diese totale Vergiftung der Kultur durch Politik.

Bildunterschrift:

Francesco Bonami gab auf

Noch im Park der Villa Manin:

Patrick Tuttofuocos "Twister" (2005)